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Melatonin

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Siehe auch: Behandlung (Hauptartikel)

Melatonin
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Indikation Insomnie, ADHS-Therapie
Therapieform symptomatisch
Wirksamkeit belegt für komorbide Schlafstörungen,[1] unbelegt für ADHS-Symptomatik
Weitere Informationen Weitere Therapie, Müdigkeit und ADHS, Medikamente
Bildung und Steuerung von Melatonin: Nimmt die Lichtstärke und -Exposition am Ende des Tages ab, wird dies über das Auge (die Retina) an den Nucleus suprachiasmaticus im Hypothalamus des Gehirns gemeldet. Es folgt ein Signal über das Ganglion cervicale (nahe dem oberen Halsmark), welches die Glandula pinealis zur Bildung von Melatonin anregt. Im Sinne einer positiven Rückkopplung im Nucleus suprachiasmaticus bewirkt Melatonin eine Kaskade neuronaler Prozesse, welche den Schlaf einleiten.[2]

Melatonin ist ein in der Zirbeldrüse des Gehirns produziertes Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers reguliert. Melatonin wird vor allem bei Dunkelheit produziert, bzw. dann, wenn kein Tageslicht auf das Auge fällt. Bei Lichtexposition wird seine Produktion gebremst.

Ein erhöhter Melatoninspiegel am Tage wird, vor allem zur Winterzeit auch mit Depressionen (sog. Winterdepression aufgrund der geringen Tageslichtdauer) und Schlafstörungen in Verbindung gebracht.[3] Hier werden Zusammenhänge mit dem Hormon Serotonin gesehen, welches das Ausgangsprodukt des Melatonins ist und dessen Produktion durch Tageslichtexposition erhöht wird.[4]

Als Arzneimittel kann Melatonin auch bei ADHS-Patienten im Rahmen der Behandlung komorbider Schlafstörungen wirkungsvoll eingesetzt werden.

Melatonin bei ADHS

Verschiedene Studien konnten aufzeigen, dass Melatonin in Kombination mit schlafhygienischen Maßnahmen die Schlafqualität von Kindern mit ADHS verbessern und die Einschlafdauer verkürzen kann.[5][6][7] Melatonin hat jedoch nach aktuellen Erkenntnissen keine unmittelbaren Auswirkungen auf die ADHS-Symptomatik. Weil eine verbesserte Schlafqualität jedoch bedeutsam zur Linderung der ADHS-Symptomatik beitragen kann, kann für den individuellen Fall ein Nutzen durch die Melatonin-Einnahme vorhanden sein.

Kombination mit Methylphenidat

Für Methylphenidat, welches als häufigstes Psychopharmakon zur Behandlung von ADHS eingesetzt wird, werden als Nebenwirkung unter anderem auch Schlafstörungen beschrieben. Diese können besonders während der Einstellungsphase bzw. zu Therapiebeginn auftreten. Melatonin kann sich als Mittel zur Regulation dieser Schlafstörungen eignen. Zudem wurden mit einer Kombination aus Melatonin am Abend und Methylphenidat am Morgen auch gute Erfahrungen bei der Behandlung von Kindern mit schwer gestörtem Tag-Nacht-Zyklus gemacht.[8]

Im Jahr 2003 wurde vom niederländischen Arzt Roelof Johannes Kruisinga Patent für ein Kombinationspräparat aus Melatonin und Methylphenidat angemeldet.[9] Ein enstprechendes Medikament ist bislang jedoch nicht verfügbar.

Melatonin-Präparate

Melatonin ist in der Europäischen Union als diätetisches Lebensmittel erhältlich. In Deutschland sind Dosierungen ab 2 mg pro Tagesdosis verfügbar.

Indikationen und Wirksamkeit

In verschiedenen Studien konnte Melatonin eine gute Wirksamkeit insbesondere bei Ein- und Durchschlafschwierigkeiten nachgewiesen werden.[10][11] Demnach kann Melatonin sowohl die Einschlafzeit verkürzen und die Schlafqualität verbessern, als auch zu einer Verbesserung der morgendlichen Aufmerksamkeit und Tagesleistung verhelfen.[12] Spezifisch für Menschen mit ADHS konnte letzteres jedoch nicht nachgewiesen werden, sondern vielmehr für Senioren ab 55 Jahren, welche an Ein- und Durchschlafschwierigkeiten leiden.

Verfügbarkeit

In den Vereinigten Staaten und Kanada werden Melatonin-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel für zahlreiche unterschiedliche Zwecke beworben, darunter beispielsweise Migräne-Prophylaxe, eine Verlangsamung des Alterns, Krebsvorbeugung, Anregung des Haarwuchses oder eine erhöhte Ausschüttung körpereigener Wachstumshormone.[13][14][15]

In der Europäischen Union ist Melatonin, neben seiner Verschreibungs- und Erstattungsfähigbeit bei der Indikation primäre Insomnie ab 55 Jahren (z.B. als Circadin[16]), als Stoff in diätetischen Lebensmitteln zugelassen.[17] Auf dem deutschen Markt sind enstprechende Produkte ab einer Konzentration von zwei Milligramm Melatonin pro Tagesdosis erhältlich.

Dosierung und Einnahmezeitpunkt

Die Wirkung von Melatoninpräparaten beginnt, wenn für jeweiliges Präparat nicht anders angegeben, etwa eine halbe Stunde nach Einnahmme. Ausschlaggebend für eine Wirkung sind der Einnahezeitpunkt und die jeweiligen äußeren Umstände. So sollte die Einnahme stets nach einer Mahlzeit etwa eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen stattfinden. Da Licht ein wichtiger Antagonist von Melatonin ist, welches seine Wirkung aufheben kann, ist es wichtig, dass der Patient in einer so gut wie möglich abgedunkelten Umgebung seine Schlafposition einnimmt. Morgens oder am Tage sollte Melatonin nicht eingenommen werden, da es Schläfrigkeit auslöst.

Die empfohlene Dosis beträgt 0,5 bis 10 mg abends vor dem Zubettgehen. Nach einiger Zeit kann eine Steigerung der Dosis notwendig sein.

Unerwünschte Wirkungen

Folgende unerwünschte Wirkungen wurden unter anderem bei der Einnahme von Melatonin-Präparaten (hier exemplarisch Circadin)[18][19] beobachtet:

Müdigkeit oder Schläfrigkeit, Reizbarkeit, Nervosität, Rastlosigkeit, Schlaflosigkeit, Alpträume, Migräne, Ruhelosigkeit mit gesteigerter Aktivität, Schwindel, Schläfrigkeit, Bauchschmerzen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Hyperbilirubinämie, vermehrtes Schwitzen, Schwäche, Gewichtszunahme.

Langzeitfolgen

Mögliche Langzeitfolgen der Melatonin-Einnahme wurden bislang nicht untersucht.[20] Eine langfristige Einnahme empfiehlt sich nicht, da es zu einer psychischen Abhängigkeit kommen kann. Vielmehr sollte die Medikation so kurz wie möglich gehalten werden.

Sonstiges

Handelsüblicher Steckdosenadapter, der eine Herabsetzung der Lichtintensität ermöglicht

Schlafprobleme durch Melatonin-Inhibition durch Kunstlicht

Wie oben erwähnt ist Licht ein Antagonist des Melatonins. Bei Lichtexposition wird die Melatonin-Synthese gehemmt. Einschlafprobleme treten deshalb auch häufig bei Menschen auf, welche bis kurz vor dem Zubettgehen noch (hellem) Licht ausgesetzt sind. Dies betrifft gewöhnliche Raumbeleuchtung, aber insbesondere auch die Exposition von blauem Licht[21], zum Beispiel beim Arbeiten am Computer oder beim Lesen mit Smartphones. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, können spezielle Apps verwendet werden (zum Beispiel das Programm f.lux).[22] Solche Programme passen die dargestellte Farbtemperatur der Tageszeit an (Anteile des blauen Lichts werden ab Sonnenuntergang reduziert) und sollen so eine bessere Synthese von Melatonin begünstigen. Zusätzlich sollte auch die Bildschirmhelligkeit manuell reduziert werden.

Für die Abendzeiten können Dimmer verwendet werden, welche die Lichtintensität im Raum reduzieren. Dafür können zum Beispiel bestimmte Dimmereinsätze oder -Adapter verwendet werden.[23]

Studien und wissenschaftliche Publikationen

Weblinks

Siehe auch

Weitere interessante Artikel

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Einzelnachweise

  1. http://www.swiss-paediatrics.org/sites/default/files/17-19_0.pdf
  2. auch Bildquelle: http://www.praxis-vella.ch/userfiles/file/Nr%2016%20Forum%20News.pdf
  3. http://www.dr-neidert.de/biomed/17-neurogegulation/256-melatonin-das-hormon-fuer-die-schlafregulierung
  4. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2077351/
  5. http://www.swiss-paediatrics.org/sites/default/files/17-19_0.pdf
  6. http://www.jaacap.com/article/S0890-8567%2809%2961198-9/abstract
  7. Corkum P. A framework for the assessment and treatment of sleep problems in children with attention-deficit/hyperactivity disorder. Pediatr Clin N Am 2011; 58: 667–83
  8. http://www.praxis-vella.ch/userfiles/file/Nr%2016%20Forum%20News.pdf
  9. https://www.google.com/patents/DE60313785T2?cl=de&dq=ininventor:%22Roelof+Johannes+Kruisinga%22
  10. Alan G Wade: Prolonged release melatonin in the treatment of primary insomnia: evaluation of the age cut-off for short- and long-term response. 2010. PMID 21091391.
  11. Remy Luthringer: The effect of prolonged-release melatonin on sleep measures and psychomotor performance in elderly patients with insomnia. 2009. PMID 19584739.
  12. Patrick Lemoine: Prolonged-release melatonin improves sleep quality and morning alertness in insomnia patients aged 55 years and older and has no withdrawal effects. 2007. PMID 18036082
  13. S. Miano u. a.: Melatonin to prevent migraine or tension-type headache in children. In: Neurological Science. 19. Jg., Nr. 4, September 2008, S. 285–287. PMID 18810607.
  14. T. W. Fischer u. a.: Melatonin increases anagen hair rate in women with androgenetic alopecia or diffuse alopecia: results of a pilot randomized controlled trial. In: British Journal of Dermatology. 2004; 150, S. 341–345. doi:10.1111/j.1365-2133.2004.05685.x
  15. R. Valcavi, M. Zini, G. J. Maestroni, A. Conti, I. Portioli: Melatonin stimulates growth hormone secretion through pathways other than the growth hormone-releasing hormone. In: Clinical endocrinology. Band 39, Nummer 2, August 1993, S. 193–199. PMID 8370132.
  16. http://www.apotheken-umschau.de/Medikamente/Beipackzettel/Circadin-2mg-Retardtabletten-10078109.html
  17. http://ec.europa.eu/nuhclaims/?event=search
  18. http://www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/000695/WC500026811.pdf
  19. http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Melatonin
  20. http://www.praxis-vella.ch/userfiles/file/Nr%2016%20Forum%20News.pdf
  21. http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/schlafstoerungen/article/809562/wenn-blaulicht-schlaf-raubt.html
  22. https://justgetflux.com/
  23. https://www.schalter-steckdosen-shop24.de/ratgeber/dimmerberater/