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Anekdotische Evidenz: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Anekdotische Evidenz''' (auch: '''anekdotischer Beweis''', '''Fallbericht''') ist ein informeller Bericht über Evidenz in Form eines Einzelberichts oder Evidenz, die sich „aus dem Hörensagen“ oder aus einem einem intuitiven Bauchgefühl heraus ergibt. Der Ausdruck wird oft als Gegensatz zur empirischen Evidenz (beispielsweise klinische [[Studien]], Laborstudien, Feldstudien) und zum Analogieschluss verwendet. Der Wahrheitsgehalt anekdotisch substantiierter Begebenheiten ''scheint'' oftmals offensichtlich, entsprechend einer „gefühlten Wahrheit“. Anekdotische Evidenz hat jedoch eine schwache argumentative und keinerlei wissenschaftliche Aussagekraft.<ref>Rossboth, Dieter; Gay, John; Lin, Vivian (2007): ''Einführung in die Evidence Based Medicine. Wissenschaftstheorie, Evidence Based Medicine und Public Health''. 1. Aufl. Wien: WUV Univ.-Verl., S. 16 f.</ref>
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'''Anekdotische Evidenz''' (auch: '''anekdotischer Beweis''', '''Fallbericht''' oder '''anekdotischer Fehlschluss) ist ein informeller Bericht über Evidenz in Form eines Einzelberichts oder Evidenz, die sich „aus dem Hörensagen“ oder aus einem einem intuitiven Bauchgefühl heraus ergibt. Der Ausdruck wird oft als Gegensatz zur empirischen Evidenz (beispielsweise klinische [[Studien]], Laborstudien, Feldstudien) verwendet. Der Wahrheitsgehalt anekdotisch substantiierter Begebenheiten ''scheint'' oftmals offensichtlich, entsprechend einer „gefühlten Wahrheit“. Anekdotische Evidenz hat jedoch eine schwache argumentative und keinerlei wissenschaftliche Aussagekraft.<ref>Rossboth, Dieter; Gay, John; Lin, Vivian (2007): ''Einführung in die Evidence Based Medicine. Wissenschaftstheorie, Evidence Based Medicine und Public Health''. 1. Aufl. Wien: WUV Univ.-Verl., S. 16 f.</ref>
  
 
==Beispiele für anekdotische Evidenz im Kontext ADHS==
 
==Beispiele für anekdotische Evidenz im Kontext ADHS==
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==Studien und wissenschaftliche Publikationen==
 
==Studien und wissenschaftliche Publikationen==
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===Deutsch===
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Glaser C. (2019): [https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-25835-1_40 Anekdotischer Fehlschluss.] In: Risiko im Management. Springer Gabler, Wiesbaden
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==Englisch===
 
*[[image:pdf.png]] Miller, W., Miller, G. (Journal of American Physicians and Surgeons, 2005): [https://www.jpands.org/vol10no3/miller.pdf On Evidence, Medical and Legal] (PDF. 155 KB)
 
*[[image:pdf.png]] Miller, W., Miller, G. (Journal of American Physicians and Surgeons, 2005): [https://www.jpands.org/vol10no3/miller.pdf On Evidence, Medical and Legal] (PDF. 155 KB)
  

Version vom 22. Dezember 2019, 03:06 Uhr

Anekdotische Evidenz (auch: anekdotischer Beweis, Fallbericht oder anekdotischer Fehlschluss) ist ein informeller Bericht über Evidenz in Form eines Einzelberichts oder Evidenz, die sich „aus dem Hörensagen“ oder aus einem einem intuitiven Bauchgefühl heraus ergibt. Der Ausdruck wird oft als Gegensatz zur empirischen Evidenz (beispielsweise klinische Studien, Laborstudien, Feldstudien) verwendet. Der Wahrheitsgehalt anekdotisch substantiierter Begebenheiten scheint oftmals offensichtlich, entsprechend einer „gefühlten Wahrheit“. Anekdotische Evidenz hat jedoch eine schwache argumentative und keinerlei wissenschaftliche Aussagekraft.[1]

Beispiele für anekdotische Evidenz im Kontext ADHS

  • Für die angenommene Wirksamkeit von Gewichtsdecken bei ADHS besteht eine hohe anekdotische Evidenz, da hierzu zahlreiche Fallberichte (Einzelfallbeschreibungen) aus der klinischen Praxis vorliegen. Die wissenschaftliche Befundlage ist aktuell jedoch mangelhaft und erlaubt keine seriösen Aussagen über eine Wirksamkeit.
  • Eine hohe anekdotische Evidenz besteht auch für den Zusammenhang zwischen ADHS und erhöhter Kreativität, substantiierte wissenschaftliche Belege stehen jedoch noch aus.
  • Vieldiskutiert ist auch die Annahme systematischer ADHS-Überdiagnosen.

Kommentare

Russell Barkley im Kontext des Zusammenhangs von ADHS und Kreativität

  • Kommentar von Russell Barkley[2] zu einem Blogbeitrag von Barry Kaufman:[3] „Auch, wenn dies in der Ratgeberliteratur - zuletzt von Mr. Kaufman - ständig wiederholt wird: Der postulierte Zusammenhang zwischen ADHS und Kreativität ist wissenschaftlich völlig unbelegt. Offensichtlich ist hingegen, dass Kreativität auch unter ADHS-Betroffenen normalverteilt ist. Es gibt keine signifikante Korrelation zwischen ADHS (bzw. der jeweiligen Schweregrade) und erhöhter Kreativität. Einzelfälle, bei denen dies zutreffen mag, begründen Anekdoten, keine wissenschaftliche Evidenz“.

Studien und wissenschaftliche Publikationen

Deutsch

Glaser C. (2019): Anekdotischer Fehlschluss. In: Risiko im Management. Springer Gabler, Wiesbaden

Englisch=

Weblinks

Englisch

  • Lindsay, Don (Lindsay Archive, 01. Mai 2000): Anecdotal Evidence
  • Carroll, Robert Todd (Sceptic's Dictionary, 24. Oktober 2014 Anecdotal (testimonial) evidence

Weitere interessante Artikel

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Einzelnachweise

  1. Rossboth, Dieter; Gay, John; Lin, Vivian (2007): Einführung in die Evidence Based Medicine. Wissenschaftstheorie, Evidence Based Medicine und Public Health. 1. Aufl. Wien: WUV Univ.-Verl., S. 16 f.
  2. https://adhdrollercoaster.org/adhd-news-and-research/dr-russell-barkley-on-adhd-and-creativity/
  3. https://blogs.scientificamerican.com/beautiful-minds/the-creative-gifts-of-adhd/