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Asperger-Syndrom: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 12. Juni 2018, 21:18 Uhr

Das Asperger-Syndrom wird von der WHO zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen innerhalb des Autismusspektrums gerechnet. Das Asperger-Syndrom beeinträchtigt die Betroffenen vor allem in den Bereichen der sozialen Interaktion und Kommunikation, insbesondere hinsichtlich der Fähigkeiten, nonverbale und parasprachliche Signale zu erkennen und selbst anzuwenden. Für Außenstehende kann das Verhalten der Betroffenen in sozialen Interaktionen daher merkwürdig, ungeschickt oder distanzlos wirken. Das Asperger-Syndrom kann auch mit ADHS sowie Hoch- oder Inselbegabung zusammenfallen. Es macht sich etwa ab dem vierten Lebensjahr bemerkbar.[1]

Das Asperger-Syndrom gilt nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen als unheilbar, wenngleich sich Wissenschaftler, Ärzte, Betroffene und deren Angehörige gleichermaßen uneinig darüber sind, ob das Syndrom als Krankheit, oder als eine Normvariante der menschlichen Informationsverarbeitung eingestuft werden sollte.

Wichtig ist im Rahmen der ADHS-Differenzialdiagnose die Berücksichtigung des Asperger-Syndroms, da bis zu 70 % phänotypischer Überschneidungen möglich sind.[2]

Auffälligkeiten

Sozialverhalten: Kinder mit Asperger-Syndrom sind meist sozial isoliert und ecken aufgrund ihres abweichenden Verhaltens häufig an. In der Schule sind sie häufig sozialem Ausschluss, Mobbing und Hänseleien ausgesetzt. Aufgrund ihres nicht vorhandenen Verständnisses für Ironie oder sarkastische Sticheleien können sie verdeckt aggressives Verhalten oft nicht als solches identifizieren, was sie verunsichert. Viele Betroffene wünschen sich den Kontakt zu Gleichaltrigen inständig, scheitern aber beim Versuch, soziale Kontakt herzustellen, da ihre Körpersprache und andere non-verbale Signale häufig als verschlossen, ausweichend, desinteressiert oder abweisend wahrgenommen werden.[3]

Sprache: Im Gegensatz zum frühkindlichen Autismus zeichnet sich die Sprache von Asperger-Kindern häufig durch einen stilistisch hochstechenden Duktus aus. Asperger-Kinder fallen durch eine nicht altersgemäße, erwachsene und oftmals pedantische Ausdruckweise auf, was Außenstehenden einen Eindruck von Arroganz und Wichtigtuerei vermittelt. Langatmiges, monologisches Ausführen von Erlebnissen oder Erzählungen über ein geliebtes Thema kommt häufig vor, wobei die Betroffenen nicht erkennen können, ob ihrer Zuhörer noch interessiert sind.[4]

Ähnlich wie ADHS-Betroffene haben Asperger-Betroffene Schwierigkeiten, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden, was für ihre Zuhörer häufig zur Geduldsprobe wird.

Weiter sind nicht nachvollziehbare Themenwechsel, Eigenkreationen von Metaphern und Wortschöpfungen, Antworten auf rhetorische Fragen, Selbstgespräche, Formulierungen, die wie auswendig gelernt scheinen sowie ungenaues Zuhören häufig.

Die genannten Auffälligkeiten in der Sprache führen häufig zu Missverständnissen und Konflikten in sozialen Situationen. Hier ist die Belastung für die Betroffenen dann meist immens, weil sie ihr eigenes Verhalten nicht reflektieren können.

Unterschiede zwischen ADHS und dem Asperger-Syndrom

ADHS Asperger-Syndrom
Störung der Aufmerksamkeit, wechselnde Aufmerksamkeit Hohe Ablenkbarkeit durch äußere Reize, keine Daueraufmerksamkeit, oder aber Hyperfokus Aufmerksamkeit nach innen gerichtet, wenig Flexibilität
Störung in der sozialen Interaktion Impulsives Verhalten, Ungeduld, gelegentlich geringer ausgeprägtes soziales Verständnis Häufig geringes soziales Verständnis, Rückzugsverhalten
Interessen Häufige Interessenswechsel, oft vielseitig interessiert Selten intensive Interessen, oder aber auffällige Interesen
Sensorische Hypersensitivität Gelegentlich Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen und taktilen Reizen. Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen und taktilen Reizen, Menschenmengen begünstigen Overload.
Motorik Gelegentlich Koordinationsschwäche, Hyperaktivität Koordinationsschwäche, Grobmotorik
Affektive Reagibilität Impulsivität Wenige Gefühle, explosionsartige Ausbrüche
Schmerzunempfindlichkeit Unauffällig Häufig
Sprachniveau Unauffällig oder unpräzise Artikulation Hoch, pedantisch
Reaktion auf Lob Lob wirkt verstärkend Oft paradoxe Wirkung


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Einzelnachweise

  1. http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=63173
  2. adhsnetz-tuebingen.de
  3. Preißmann: Psychotherapie und Beratung bei Menschen mit Asperger-Syndrom, Konzepte für eine erfolgreiche Behandlung aus Betroffenen und Therapeutensicht. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. S. 67.
  4. Asperger (1944), S. 114; Ami Klin ua.: Asperger Syndrome. In: Byron Patrick Rourke (Hrsg.): Syndrome of nonverbal learning disabilities: neurodevelopmental manifestations, 1995, S. 93–118 (besonders S. 101); Ami Klin u. a.: Assessment Issues in Children and Adolescents with Asperger Syndrome. In: Ami Klin, Fred R. Volkmar, Sara S. Sparrow (Hrsg.): Asperger Syndrome (2000), S. 309–366 (besonders S. 323)