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Cannabis und ADHS

Aus ADHSpedia
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Hanfpflanze (Cannabis sativa)

Cannabis wird neben Alkohol und Nikotin häufiger (10%) von ADHS-Betroffenen konsumiert. Auch betroffene Erwachsene entwickeln vergleichsweise häufig psychische Abhängigkeiten zu THC-haltigen Substanzen. THC kommt aufgrund seiner Wirkung auf hyperaktive ADHS-Symptome vermutlich auch als missbräuchlich verwendetes Mittel zur Selbstmedikation in Frage.

Medizinisches Cannabis

Ein Fallbericht der Universität Heidelberg aus dem Jahr 2008 weist darauf hin, dass THC die Fahrleistungen von ADHS-Betroffenen verbessern kann.[1] Laut Bericht kann in Einzelfällen eine Regulierung der Aktivierung auf ein mittleres Aktivierungsniveau und damit eine optimale Leistungsfähigkeit im Straßenverkehr erreicht werden. Der Cannabiskonsum verursachte bei den Probanden keine Defizite hinsichtlich der kognitiven Leistungsfähigkeit.

In der Schlussfolgerung des Berichts wird bemerkt, dass sich die Wirkungen von Cannabinoiden bei ADHS-Betroffenen von denen nicht betroffener Konsumenten zu unterscheiden scheinen, was eine Beteiligung des zentralen Cannabinoidenrezeptorsystems an der Pathologie der Störung nahelege. Die Mechanismen, die für die vermutlich atypische Wirkungsweise von THC bei Betroffenen verantwortlich sind, bedürfen jedoch noch weiteren Untersuchungen. Die Möglichkeit postiver Auswirkungen von medizinischem Cannabis gilt aber als relativ gesichert.

In den Vereinigten Staaten wird medizinisches Cannabis aktuell in zwölf Bundesstaaten zur Behandlung von ADHS verschreibungspflichtig eingesetzt (2012).[2]

Ausnahmegenehmigung für medizinisches Cannabis

Die Behandlung von ADHS mit medizinischem Cannabis ist in Einzelfällen auch in Deutschland möglich.[3] Das Medizinal-Cannabis wird jedoch nicht direkt vom behandelnden Arzt verschrieben. Zur Anwendung von Cannabis für medizinische Zwecke können Patienten in Deutschland einen Antrag an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stellen. Dazu ist eine ausdrückliche Behandlungsempfehlung des behandelnden Arztes notwendig. Dabei kommen unterschiedliche Anträge in Frage:

  • Antrag auf den Erwerb von Cannabis-Extrakt aus der Apotheke
  • Antrag auf den Erwerb von Cannabisblüten aus der Apotheke oder
  • Antrag auf den Anbau von Cannabis.

Bislang wurde allerdings kein einziger Antrag auf Cannabis-Eigenanbau genehmigt (wohl aber zahlreiche Anträge zum Cannabiserwerb aus Apotheken), obgleich das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil erklärt hat, dass bei Cannabis eine Erlaubnis für den Eigenanbau in Betracht komme. Im Jahr 2011 urteilte das Verwaltungsericht Köln, dass das BfArM Anträge auf Cannabis-Eigenanbau nicht grundsätzlich ablehnen darf.[4] Da die Bundesregierung gegen dieses Urteil Berufung eingelegt hat, ist die weitere Entwicklung dahingehend noch offen.

Folgende Unterlagen müssen im Rahmen des Antrags beim BfArM in Bonn eingereicht werden:

1. Ein aussagekräftiger Arztbericht mit Angaben über die Diagnose und die aktuell bestehenden Symptome, die bisherige Therapie mit Informationen zur Wirksamkeit und Nebenwirkungen, Informationen zur Zuverlässigkeit des Patienten hinsichlich der Einhaltung der Therapie, eine Erklärung, dass keine weiteren Therapiealternativen zur Verfügung stehen, bzw. dass Kontraindikationen bei weiteren für die erforderliche Therapie zugelassenen Arzneimitteln bestehen sowie eine Risiko-Nutzen-Einschätzung für die Anwendung von Cannabis im konkreten Fall.

2. Ein vom Arzt auszufüllendes BfArM-Formular, in dem vom Arzt Angaben zur Dosierung gemacht werden

3. Ein vom Patienten auszufüllendes BfArM-Formular[5]

4. Eine Personalausweis-Kopie des Patienten

5. Eine Erklärung des Antragstellers über den Schutz des Cannabis vor Diebstahl oder Missbrauch durch Dritte.

Die Kosten für den Antrag belaufen sich auf 75 Euro, wobei Patienten mit geringem Einkommen gegen Vorlage einer Kopie eines aktuellen Leistungsbescheides den vollständigen Erlass der Gebühren beantragen können.

Aktuell können in Deutschland die Cannabinoid-Fertigarzneimittel Sativex®[6] , Cesamet®[7] (Navilon) und Marinol®[8] (Dronabinol) auf Grundlage des § 73 Abs. 3 des Arzneimittelgesetzes rezeptiert werden, wobei diese momentan mit Ausnahme von Sativex von Apotheken per Import bezogen werden müssen. Außerdem können Apotheker Dronabinol-haltige Tropfenlösungen oder Kapseln nach ärztlicher Verordnung herstellen.

Die Kosten für Medizinal-Cannabis müssen vom Patienten selbst getragen werden. Ein Gramm Cannabis aus der Apotheke kostet in Deutschland je nach Sorte (und Cannabinoidverhältnis) etwa 15 bis 20 Euro, wobei das Cannabis in der Regel in Fünf-Gramm-Einheiten abgegeben wird. Die Kosten für eine Cannabis-Therapie können in der Regel nicht - und auch nicht bei ADHS - mit den Krankenkassen abgerechnet werden, , da sich die Zulassung bislang einzig auf die Indikation Spastik bei Multipler Sklerose bezieht, die durch andere Medikamente nicht ausreichend therapiert ist.

Formulare zur Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb von Cannabis

Weblinks

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Einzelnachweise