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Cannabis und ADHS

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Siehe auch: Behandlung (Hauptartikel)

Medizinisches Cannabis
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Indikation ADHS-Therapie
Therapieform symptomatisch
Wirksamkeit relativ gesichert[1]
Weiterführende Infos Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Neben den Möglichkeiten des missbräuchlichen Gebrauchs, der auch die Gefahr von Suchtentwicklungen bergen kann, kann Cannabis in Ausnahmefällen mittlerweile auch in Deutschland bei der Indikation ADHS zu Therapiezwecken rezeptiert werden.

Medizinisches Cannabis und Wirksamkeit bei ADHS

Medical Marijuana: Cannabis ist in den USA in zahlreichen Staaten legal auch zur Behandlung von ADHS verfügbar

Ein Fallbericht der Universität Heidelberg aus dem Jahr 2008 weist darauf hin, dass THC die Aufmerksamkeitsleistung von ADHS-Betroffenen verbessern kann.[2] Laut Bericht konnte in bei vereinzelten Probanden eine Regulierung der Aktivierung auf ein mittleres Aktivierungsniveau und damit eine optimale Leistungsfähigkeit im Straßenverkehr erreicht werden. Der Cannabiskonsum verursachte bei den Probanden keine Defizite hinsichtlich der kognitiven Leistungsfähigkeit. Die Autoren verweisen zudem auf zwei frühere Studien aus den Jahren 2003[3] und 2006[4], die ähnliche Schlussfolgerungen zulassen.

In der Schlussfolgerung des Berichts wird bemerkt, dass sich die Wirkungen von Cannabinoiden bei ADHS-Betroffenen von denen nicht betroffener Konsumenten zu unterscheiden scheinen, was eine Beteiligung des zentralen Cannabinoidenrezeptorsystems an der Pathologie der Störung nahelege. Die Mechanismen, die für die vermutlich atypische Wirkungsweise von THC bei Betroffenen verantwortlich sind, bedürfen jedoch noch weiteren Untersuchungen.

In den Vereinigten Staaten wird medizinisches Cannabis in zahlreichen Bundesstaaten zur Behandlung von ADHS verschreibungspflichtig eingesetzt.[5]

Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis

Zu den bekannten psychischen Nebenwirkungen, die akut auftreten können, zählen insbesondere Sedierung, Euphorie bzw. ein akutes "High", Missstimmung, Gefühl des Kontrollverlustes, Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit, (Verstärkung von) Depressionen oder halluzinationsartige Empfindungen.[6] Körperliche Nebenwirkungserscheinungen können daneben eine trockene Mundschleimhaut, Muskelstörungen, Schwierigkeiten beim Sprechen, gesteigerte Herzfrequenz, Blutdruckabfall mit Schwindel oder Kopfschmerzen auftreten.

Zu beachten ist, dass akute Nebenwirkungen sehr von den verwendeten Dosen abhängig sind. Sämtliche Nebenwirkungen können zudem auch entsprechend des akuten psychischen Zustands des Patienten verstärkt auftreten. Ohne spezifische Therapie klingen die akuten Nebenwirkungen meist innerhalb weniger Stunden, seltener nach wenigen Tagen wieder ab.

Für eine Vielzahl der Cannabis-Wirkungen ist die Entwicklung einer Toleranz beschrieben, die mit der Dauer der Cannabisverwendung zunimmt. Im Rahmen der Langzeittherapie ist daher mit fortschreitender Einnahme mit einem stetig steigenden Cannabisbedarf zu rechnen.

Im Weiteren besitzt Cannabis insbesondere dann, wenn es chronisch zu Rauschzwecken eingenommen wird, ein Suchtpotential. Dabei können bei Abstinenz sowohl psychische Symptome (Angst, Schlaflosigkeit, Unruhe) als auch körperliche Symptome (Durchfall, Speichelfluss) auftreten. Für Patienten, die chronisch mit Medizinal-Cannabis behandelt wurden, wurden Entzugssymptome bislang allerdings nicht beschrieben.

Im Weiteren wird im Sinne schizophrener Psychosen vermutet, dass chronischer Cannabiskonsum bei vulnerablen Personen eine länger anhaltende psychotische Episode auslösen kann. Der Durchschnitt in der Bevölkerung liegt dahingehend gemäß einer australischen Erhebung bei 1 %[7]

Ausnahmegenehmigung für medizinisches Cannabis

Hanfpflanze (Cannabis sativa)

Die Behandlung auch von ADHS mit medizinischem Cannabis ist in Einzelfällen auch in Deutschland möglich.[8] Das Medizinal-Cannabis wird jedoch nicht direkt vom behandelnden Arzt verschrieben. Zur Anwendung von Cannabis für medizinische Zwecke können Patienten in Deutschland einen Antrag an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stellen. Dazu ist eine ausdrückliche Behandlungsempfehlung des behandelnden Arztes notwendig. Dabei kommen unterschiedliche Anträge in Frage:

  • Antrag auf den Erwerb von Cannabis-Extrakt aus der Apotheke
  • Antrag auf den Erwerb von Cannabisblüten aus der Apotheke oder
  • Antrag auf den Anbau von Cannabis.

Bislang bewegt sich die Zahl der Genehmigungen zum Cannabis-Eigenanbau im einstelligen Bereich (gleichwohl wurden aber über 200 Anträge zum Cannabiserwerb aus Apotheken stattgegeben (Stand: 2014[9]). Im Juni 2014 entschied das Kölner Verwaltungsgericht, dass das BfArM die Eigenproduktion von Cannabis bei Schmerzpatienten unter Berücksichtigung besonderer Sicherungsmaßnahmen ausnahmsweise erlauben muss, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten bereits erfolglos ausgeschöpft worden sind.[10] Unter den fünf Klägern befand sich auch ein ADHS-Patient,[11] dessen Indikation für Cannabis jedoch primär der Schmerztherapie galt.

Folgende Unterlagen müssen im Rahmen des Antrags beim BfArM in Bonn eingereicht werden:

1. Ein aussagekräftiger Arztbericht mit Angaben über die Diagnose und die aktuell bestehenden Symptome, die bisherige Therapie mit Informationen zur Wirksamkeit und Nebenwirkungen, Informationen zur Zuverlässigkeit des Patienten hinsichlich der Einhaltung der Therapie, eine Erklärung, dass keine weiteren Therapiealternativen zur Verfügung stehen, bzw. dass Kontraindikationen bei weiteren für die erforderliche Therapie zugelassenen Arzneimitteln bestehen sowie eine Risiko-Nutzen-Einschätzung für die Anwendung von Cannabis im konkreten Fall.

2. Ein vom Arzt auszufüllendes BfArM-Formular, in dem vom Arzt Angaben zur Dosierung gemacht werden

3. Ein vom Patienten auszufüllendes BfArM-Formular[12]

4. Eine Personalausweis-Kopie des Patienten

5. Eine Erklärung des Antragstellers über den Schutz des Cannabis vor Diebstahl oder Missbrauch durch Dritte.

Die Kosten für den Antrag belaufen sich auf 75 Euro, wobei Patienten mit geringem Einkommen gegen Vorlage einer Kopie eines aktuellen Leistungsbescheides den vollständigen Erlass der Gebühren beantragen können.

Aktuell können in Deutschland die Cannabinoid-Fertigarzneimittel Sativex®[13] , Cesamet®[14] (Nabilon) und Marinol®[15] (Dronabinol) auf Grundlage des § 73 Abs. 3 des Arzneimittelgesetzes[16] rezeptiert werden, wobei diese momentan mit Ausnahme von Sativex von Apotheken per Einzelimport bezogen werden müssen. Außerdem können Apotheker Dronabinol-haltige Tropfenlösungen oder Kapseln nach ärztlicher Verordnung herstellen.

Die Kosten für Medizinal-Cannabis müssen vom Patienten selbst getragen werden. Ein Gramm Cannabis aus der Apotheke kostet in Deutschland je nach Sorte (und Cannabinoidverhältnis) etwa 15 bis 20 Euro, wobei das Cannabis in der Regel in Fünf-Gramm-Einheiten abgegeben wird. Die Kosten für eine Cannabis-Therapie können in der Regel nicht - auch nicht bei ADHS - mit den Krankenkassen abgerechnet werden, da sich die Zulassung in Deutschland bislang einzig auf die Indikation Spastik bei Multipler Sklerose bezieht, die durch andere Medikamente nicht ausreichend therapiert ist.[17]

Präparate

Sativex

Datei:Sativex.jpg
Sativex® - ein Mundspray mit dem Wirkstoff Nabiximols

Das Fertigarzneimitteln Sativex ist ein Mundspray, das sich aus Nabiximols, einer Pflanzenextraktmischung aus Blättern und Blüten der Hanfpflanze Cannabis sativa L.) zusammensetzt. Zur Anwendung wird das Spray auf die Innenseite der Wange gesprüht; das Tetryhydrocannabinol (THC) wird dann über die Mundschleimhaut resorbiert. Sativex ist in mehreren europäischen Ländern zur Behandlung von Multipler Sklerose zugelassen, wenn Patienten nicht ausreichend auf eine andere Therapie angesprochen haben. In Deutschland ist Sativex seit Juli 2011 verfügbar.

Nabilon

Cesamet (1mg) Kapseln

Nabilon ist ein Derivat des Δ9-Tetrahydrocannabinols, das in Deutschland per Betäbungsmittelrezept für die Indikationen Anorexie und Kachexie bei AIDS-Patienten sowie als Antiemetikum für mit Bestrahlungstherapie behandelte Krebspatienten zugelassen ist, jedoch seit 1991 per Einzelimport aus den USA oder Kanada bezogen werden muss.

Nabilon wurde im Jahr 1975 von Eli Lilly als Tranquilizer und Antiemetikum patentiert.

In den USA sowie in Großbritannien wird Nabilon unter dem Handelsnamen Cesamet vertrieben, in Österreich ist es als Canemes rezeptierbar.

Dronabinol

Marinol (5mg) Kapseln

Dronabinol ist ein teilsynthetisch produziertes THC, das bislang in Deutschland nicht zugelassen ist und ausschließlich per Einzelimport nach § 73 Abs. 3 AMG aus den USA oder Kanada bezogen werden kann. Dort ist es unter dem Handelsnamen Marinol erhältlich.

Aufgrund gesetzlicher Vorschriften muss Dronabinol aus THC-armem Nutzhanf teilsyntetisch produziert werden, indem Cannabidiol extrahiert und anschließend in THC umgewandelt wird, was die Herstellung von Dronabinol sehr teuer macht.

Dronabinol wird meist als Rezeptursubstanz für Kapseln oder als Tropfen zur oralen Einnahme verschrieben.[18]

Formulare zur Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb von Cannabis

Weblinks

Literatur

  • Manfred Fankhauser: Haschisch als Medikament: Zur Bedeutung von cannabis sativa in der westlichen Medizin. Schweizerische Gesellsch. f. Gesch. d. Pharmazie, 2003, ISBN 978-3-9520758-9-0.
  • Sabine Fellner, Katrin Unterreiner: Morphium, Cannabis und Cocain: Heilkunst im 19. Jahrhundert. 2. Auflage. Amalthea, 2008, ISBN 978-3-85002-636-9.
  • Lester Grinspoon, James B Bakalar: Marihuana. Die verbotene Medizin. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1994, ISBN 978-3-86150-060-5.
  • Franjo Grotenhermen, Michael Karus: Cannabis als Heilmittel. Ein medizinischer Ratgeber. Die Werkstatt, 1998, ISBN 978-3-89533-236-4.
  • Franjo Grotenthermen, R Saller (Hrsg.): Cannabis und Cannabionoide in der Medizin. In: Forschende Komplementärmedizin. 6, Suppl. 3, Karger, 1999, ISBN 978-3-8055-7014-5.
  • Franjo Grotenhermen: Hanf als Medizin: Ein praxisorientierter Ratgeber zur Anwendung von Cannabis und Dronabinol. AT Verlag, 2004, ISBN 978-3-85502-944-0.
  • Franjo Grotenhermen (Hrsg.): Cannabis und Cannabinoide: Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potenzial. 2., vollst. überarb. Auflage. Huber, Bern 2004, ISBN 978-3-456-84105-2.

Weitere interessante Artikel

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Quellen

  1. http://www.cannabis-med.org/data/pdf/de_2008_01_1.pdf
  2. Fallbericht Universität Heidelberg; Rechtsmedizin - Cannabis verbessert Symptome der ADHS
  3. Adriani W, Caprioli A, Granstrem O, Carli M, Laviola G. The spontaneously hypertensive rat as an animal model of ADHD: evidence for impulsive and non-impulsive subpopulations. Neurosci Biobehav Rev 2003;27:639-651.
  4. Aharonovich E, Garawi F, Bisaga A, Brooks D, Raby, WN, Rubin, E, Nunes EV, Levin FR. Concurrent cannabis use during treatment for comorbid ADHD and cocaine dependence: effects on outcome. Am J Drug Alcohol Abuse 2006;32:629-635
  5. Spiegel.de
  6. für nachfolgenden Absatz vgl. http://cannabis-med.org/index.php?tpl=page&id=35&lng=de&sid=e262374922d43f421d5b64e4ebeb0e37
  7. http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/076-005.htm
  8. Für den gesamten nachfolgenden Absatz vgl. http://www.cannabis-med.org/german/bfarm_hilfe.pdf
  9. http://www.cannabis-med.org/german/acm-mitteilungen/ww_de_db_cannabis_artikel.php?id=145#1
  10. Sueddeutsche.de
  11. http://www.derwesten.de/panorama/gericht-in-koeln-erlaubt-cannabis-anbau-id9624383.html
  12. http://www.bfarm.de/SharedDocs/Formulare/DE/Bundesopiumstelle/BtM/Cannabis_Erklaerungsform_BtMV.pdf;jsessionid=EE6CD8CFF2EB2C5FDB063C27477B1767.1_cid350?__blob=publicationFile&v=2
  13. http://de.wikipedia.org/wiki/Nabiximols
  14. http://de.wikipedia.org/wiki/Nabilon
  15. http://www.fda.gov/ohrms/dockets/dockets/05n0479/05N-0479-emc0004-04.pdf
  16. http://www.gesetze-im-internet.de/amg_1976/__73.html
  17. http://www.hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2013/159_mai/s27_0513_kasse_zahlt_erstmls_cannabis_blueten.php
  18. http://www.pharmazeutische-zeitung.de/fileadmin/nrf/PDF/1-Dronabinol.pdf