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ADHS als genetische Normvariante: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 6. Februar 2013, 03:04 Uhr

Dieser Artikel behandelt das Thema AD(H)S als Genetische Normvariante. Allgemeine Informationen über das Syndrom finden Sie unter Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom

Eine sehr verbreitete Sichtweise, die die pathologischen und defizitorientierten Aspekte des AD(H)S thematisch in den Hintergrund rückt, bezeichnet AD(H)S als eine genetische Normvariante. AD(H)S wird dabei nicht als Erkrankung bezeichnet, sondern als eine besondere Form der Wahrnehmung und des Denkens. Die Merkmale des AD(H)S werden dabei auf eine bestimmte neurologische Entwicklung zurückgeführt, die atypische Verhaltensweisen mit sich bringt. Aus diesem Grund wird auch die Behandlung mit Medikamenten kritisch gesehen und nur bei schwerer Ausprägung erwägt. Daher wird statt einer Heilung die Stärkung und Konsolidierung der vorhandenen Ressourcen angestrebt. Treten beispielsweise im Kinder- und Jugendalter Schulprobleme auf und stellen diese die primäre Problematik dar, müssen einerseits die entstandenen Lücken abgeklärt sowie behoben und individuelle, kognitiv-behaviorale Coping-Strategien entwickelt werden. Dabei wird der Fokus vor allem auf die psychosozialen Wirkfaktoren gelegt, die die Konstitution positiv wie negativ beeinflussen können. Wenn das Umfeld der Betroffenen nicht zulässt, dass sie sich mit ihren Besonderheiten akzeptiert, respektiert und geliebt fühlen, können sich Folgeerkrankungen entwickeln. Dabei spielen insbesondere Depressionen eine Rolle, die bei AD(H)S besonders häufig auftreten (>40 %). Ob die Primärdiagnose AD(H)s als Störung, Nachteil oder vorteilhafte Gabe gesehen wird, hängt eventuell von den vorhandenen Intelligenzressourcen, andererseits jedoch auch maßgeblich von der Ausprägung ab, die eng an die Einwirkung verschiedener Umweltfaktoren gekoppelt ist.

Evaluation

Hunter-/Farmer-Theorie

Der US-amerikanische Journalist und Autor Thom Hartmann prägte das Konzept der Jäger- und Sammlertheorie. Hartmann stellt die These auf, dass AD(H)S-Betroffene aus genetischer Sicht die Nachfahren der steinzeitlichen Jäger und Sammler (engl. Hunters / Farmers) sind. Die moderne Gesellschaft des 21. Jahrhunderts stellt nach Hartmann eine Weiterentwicklung dar, die aus der Gesellschaft sesshaft gewordener Farmer (Normalmenschen) hervorgegangen ist. In der von Farmern geprägten gesellschaftlichen Umgebung ist der Hunter (AD(H)S-Mensch) dazu gezwungen, sich der Umgebung und den gesellschaftlichen Anforderungen der von den Farmern geprägten Welt anzupassen. Für den Hunter ist es eine massive Dauerbelastung, sich den Bedingungen der Farmer-Umgebung anzupassen. Die Assimilierung an die für ihn ungeeignete Umgebung macht einen sehr hohen Energieaufwand erforderlich, was ihn auf Dauer krank machen kann (siehe: Komorbiditäten). AD(H)S-Betroffene sollten deshalb ihrer Talente, Kompetenzen, besonderen Fähigkeiten und Ressourcen bewusst werden und sie zum Vorschein bringen, um in der von Farmern geprägten Welt zu bestehen.


Mit dem Konzept der Hunter-/Farmer-Theorie stellte Hartmann die defizitorientierten Beschreibungen der Eigenschaften von AD(H)S kompetenzorientierten Beschreibungen wie folgt gegenüber: [1]

Störungs-Typus AD(H)S Hunter-/Farmer-Typus
sind unaufmerksam und leicht ablenkbar überwachen ständig ihre Umgebung
kurze Aufmerksamkeitsspanne sind jederzeit aufbruchbereit
sind chaotisch sind flexibel
treffen übereilte Entscheidungen können Strategien bei Bedarf schnell ändern
sind planlos und sprunghaft sind unermüdlich, wenn sie auf einer heißen Spur sind
sind hedonistisch sind zielorientiert
schlechtes Zeitmanagement wissen, ob sie sich ihrem Ziel nähern oder nicht
Transfer Wörter/Konzepte sind oft schwach; LRS, Dyskalkulie visuelle, konkrete Denkweise
sind nicht teamfähig bilden Projektteams
können schlecht Anweisungen anderer befolgen bevorzugen Flache Hierarchien
sind unverbindlich sind unabhängig
Tagträumer, Hazardeure, Weltenbummler, High-Risc-Handeln ohne Umschau achten auf die "große Linie"
sind ungehobelt sind nonchalant
sind "kopflos" sind risikofreudig
sind anarchistisch sind innovativ
sind promiskuitiv sind polygam

Sonstiges

Wrong Right Planet Syndrome

Unter Betroffenen wird im Zusammenhang mit AD(H)S gelegentlich scherzhaft von der Erkrankung Wrong Planet Syndrome (WPS) gesprochen, womit die Betroffenen ihr Gefühl beschreiben, irrtümlich auf einem fremden Planeten gestrandet zu sein, in dessen Regelwerk sie mit ihren Besonderheiten nicht passen. Dem WPS wird dabei gelegentlich die Bezeichnung Right Planet Syndrome gegenübergestellt, die sarkastisch darauf anspielt, dass Medizin und Wissenschaft dazu neigen, alles mögliche als Krankheit klassifizieren zu wollen und keine Verschiedenheiten des Menschlichen Wesens gelten lassen.[2]


Einzelnachweise

<referenes />
  1. Thom Hartmann, Eine andere Art die Welt zu sehen, ISBN: 978-3795007355
  2. http://takeoverbeta.de/tag/neurodiversitaet/