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Kriminalität: Unterschied zwischen den Versionen

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ADHS-Betroffene sind im besonderen Maße gefährdet, [[Sucht|Substanzabhängigkeiten]] zu entwickeln. Dabei ist nicht eindeutig geklärt, ob es sich vordergründig um ein risikobereits impulsives Ausprobieren handelt oder um ein Motiv der [[Selbstmedikation]].
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ADHS-Betroffene sind im besonderen Maße gefährdet, [[Sucht|Substanzabhängigkeiten]] zu entwickeln. Dabei ist nicht immer klar, ob es sich vordergründig um ein risikobereits impulsives Ausprobieren handelt oder um ein Motiv der [[Selbstmedikation]].
 
Der Missbrauch [[Cannabis|THC-haltiger Substanzen]] ist mit [[Nikotin]]- und Alkoholmissbrauch am häufigsten (''siehe auch: [[Sucht]]'').
 
Der Missbrauch [[Cannabis|THC-haltiger Substanzen]] ist mit [[Nikotin]]- und Alkoholmissbrauch am häufigsten (''siehe auch: [[Sucht]]'').
  

Version vom 24. Januar 2016, 00:04 Uhr

ADHS mit komorbider hyperkinetischer Störung des Sozialverhaltens (F90.1) stellt einen Risikofaktor zur Ausbildung delinquenten Verhaltens dar

Dieser Artikel behandelt das Thema Kriminalität im Zusammenhang mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.

ADHS und Kriminalität

Zwar wird das Auftreten delinquenter Verhaltensweisen im Zusammenhang mit ADHS oft genannt, dabei ist jedoch zu beachten, dass kriminelles Verhalten statistisch selten bei der einfachen ADHS (ICD-10 F90.0) anzutreffen ist. In den meisten Fällen treten kriminelle Handlungen bei vorliegender hyperkinetischer Störung mit Störung des Sozialverhaltens (F90.1) auf.[1] Die auftretenden Formen delinquenten Verhaltens bei Kindern und Jugendlichen sind F90.1 zu entnehmen, dort wird etwa zündeln, stehlen, Gewaltanwendung gegenüber anderen Menschen und Tieren, häufiges Lügen und Schuleschwänzen genannt. Bestimmte Umstände begünstigen die Entwicklung dissozialer Verhaltensweisen im Erwachsenenalter, wenn in der früheren Kindheit bereits im Sinne der ADHS Störungen des Sozialverhaltens aufgetreten sind.[2] Psychosoziale Einflussfaktoren beeinflussen die Entwicklung von Delinquenz wesentlich. Ein niedriger Verbal-IQ scheint zudem die Entwicklung delinquenten Verhaltens weiter zu begünstigen. Neuere Studien zeigen zudem auf, dass eine vorliegende ADHS eine Wiederholung von Straftaten nach dem Strafvollzug begünstigen kann.[3]

Substanzmissbrauch

ADHS-Betroffene sind im besonderen Maße gefährdet, Substanzabhängigkeiten zu entwickeln. Dabei ist nicht immer klar, ob es sich vordergründig um ein risikobereits impulsives Ausprobieren handelt oder um ein Motiv der Selbstmedikation. Der Missbrauch THC-haltiger Substanzen ist mit Nikotin- und Alkoholmissbrauch am häufigsten (siehe auch: Sucht).

Strafrechtliche Begutachtung

Die Beurteilung der strafrechtlichen Verantwortungsfähigkeit orientiert sich am psychopathologischen Gesamtbild, wobei die bei ADHS häufig auftretenden Komorbiditäten zu berücksichtigen sind. Bei ADHS stehen nur in den seltensten Fällen Störungen bei der Einsicht von Unrecht zur Diskussion. Straftaten gehen nicht selten aus der bei ADHS verminderten Steuerungsfähigkeit hervor. Bei der strafrechtlichen Begutachtung sollte insofern der Fokus auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Deliktstruktur und der ADHS-Symptomatik gelegt werden, um zu klären, ob unter Einbeziehung der Symptomatik die Vorraussetzungen von § 21 StGB (verminderte Schuldfähigkeit) gegeben sind.

Vor diesem Hintergrund ist es vor allem wichtig, dass differenzialdiagnostisch zwischen ADHS und der dissozialen Persönlichkeitsstörung unterschieden wird. Für die strafrechtliche Prognosebegutachtung hat diese Abgrenzung eine entscheidende Bedeutung. Das wesentliche Entscheidungsmerkmal scheint hier die Empathie zu sein. Während dissoziale ihr persönliches Scheitern externalisieren, also die Gründe nicht bei sich selbst suchen, sind ADHS-Betroffene eher bemüht, Auswege aus dem eigenen, negativen Verhalten zu finden.[4]

ADHS und Strafvollzug

25 % der Gefängnisinsassen in den Vereinigten Staaten sind statistisch mit ADHS diagnostiziert[5]. Studien zeigen, dass sich inhaftierte mit ADHS im Vollzug häufig negativer entwickeln und häufiger rückfällig werden[5][6]. Eine Behandlung im Strafvollzug gestaltet sich schwierig, eine abgesicherte Diagnostik ist schwierig durchzuführen. Im Strafvollzug fehlt zudem neben der Durchführung evaluierter Behandlungsprogramme die Unterstützung des sozialen Umfelds.

Behandlungskonzept in Haft

Denise Mccallon entwickelte im Jahr 2000 ein spezialisiertes, multimodales Behandlungskonzept für ADHS-betroffene im Strafvollzug.[5] Dabei arbeiten Therapeut und Kotherapeut in einer offenen Behandlungsgruppe in wöchentlichen Gruppensitzungen über 6-24 Monate. Die Gruppe setzt sich aus 15-20 Teilnehmern zusammen. Grundlage des Konzepts bildet immer die vorangegangene ADHS-Diagnostik. Wichtige Bestandteile des multimodalen Behandlungskonzepts stellen weiter die eingehende Psychoedukation, Konsiliartreffen sowie evtl. Medikation dar. Auf die gesellschaftliche Wiedereingliederung abzielend, werden diverse Verhaltenstrainings, etwa zur Selbstwahrnehmung und -Regulation, durchgeführt. Nach Entlassung wird das soziale Umfeld systemisch einbezogen. Die Nachsorge kann bis zu zwei Jahre andauern.

Siehe auch

Weitere interessante Artikel

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Einzelnachweise