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Kriminalität

Aus ADHSpedia
Version vom 7. Februar 2013, 22:00 Uhr von DK (Diskussion | Beiträge) (Substanzmissbrauch)
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Dieser Artikel behandelt das Thema Kriminalität im Zusammenhang mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom.

Evaluation

Zwar wird das Auftreten delinquenter Verhaltensweisen im Zusammenhang mit AD(H)S oft genannt, dabei ist jedoch zu beachten, dass kriminelles Verhalten statistisch selten bei der einfachen AD(H)S (ICD-10 F90.0) angetroffen wird. In den meisten Fällen treten kriminelle Handlungen bei vorliegender hyperkinetischer Störung mit Störung des Sozialverhaltens (F90.1) auf.[1] Die auftretenden Formen delinquenten Verhaltens bei Kindern und Jugendlichen sind F90.1 zu entnehmen, dort wird etwa zündeln, stehlen, Gewaltanwendung gegenüber anderen Menschen und Tieren, häufiges Lügen und schuleschwänzen genannt. Bestimmte Umstände begünstigen die Entwicklung dissozialer Verhaltensweisen im Erwachsenenalter, wenn in der früheren Kindheit bereits im Sinne des hyperkinetischen Syndroms Störungen des Sozialverhaltens aufgetreten sind.[2]

Substanzmissbrauch

AD(H)S-Betroffene sind im besonderen Maße gefährdet, Substanzabhängigkeiten zu entwickeln. Dabei ist nicht eindeutig geklärt, ob es sich um ein risikobereits impulsives Ausprobieren handelt oder um einen Versuch der Selbstmedikation. Der Konsum THC-haltiger Substanzen ist mit Nikotin- und Alkoholmissbrauch am häufigsten zu nennen (siehe: Sucht)

Strafrechtliche Begutachtung

Die Beurteilung der strafrechtlichen Verantwortungsfähigkeit orientiert sich am psychopathologischen Gesamtbild, wobei die bei AD(H)S häufig auftretenden Komorbiditäten zu berücksichtigen sind. Bei AD(H)S stehen nur in den seltensten Fällen Störungen bei der Einsicht von Unrecht zur Diskussion. Straftaten gehen nicht selten aus der bei AD(H)S verminderten Steuerungsfähigkeit hervor. Bei der strafrechtlichen Begutachtung sollte insofern der Fokus auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Deliktstruktur und der AD(H)S-Symptomatik gelegt werden, um zu klären, ob unter Einbeziehung der Symptomatik die Vorraussetzungen von § 21 StGB (verminderte Schuldfähigkeit) gegeben sind. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass differenzialdiagnostisch zwischen AD(H)S und der dissozialen Persönlichkeitsstörung unterschieden wird. Für die strafrechtliche Prognosegebutachtung hat diese Abgrenzung eine entscheidende Bedeutung. Das wesentliche Entscheidungsmerkmal scheint hier die Empathie zu sein. Während dissoziale ihr persönliches Scheitern externalisieren, also die Gründe nicht bei sich selbst suchen, sind AD(H)S-Betroffene eher bemüht, Auswege aus dem eigenen, negativen Verhalten zu finden.[3]

Einzelnachweise