Komorbidität

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Dieser Artikel behandelt das Thema Komorbiditäten bei ADHS. Mehr Informationen über die Störung finden Sie unter Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Der Begriff Komorbidität bezeichnet das Vorhandensein weiterer Diagnosen neben der Primärdiagnose ADHS. Begleitend zur ADHS zeigen sich sehr häufig, mitunter episodisch, eine oder mehrere weitere Störungen. Etwa 70 % der Betroffenen weisen neben den Kardinalsymptomen weitere Begleiterkrankungen auf.[1] Hierzu zählen besonders häufig, insbesondere im Erwachsenenalter, diverse psychosomatische Beschwerden sowie affektive Störungen, wie Depressionen.[2] Vordergründlich zeichnen sich bei ADHS jedoch in allen Altersgruppen komorbide psychische Störungen ab. Bei Kindern und Jugendlichen zeigen sich, neben Tic-, Angst- und Zwangsstörungen, vermehrt extraversive Begleitstörungen, wie etwa Störungen des Sozialverhaltens, die sich durch unkontrollierte und dissoziale Verhaltensweisen äußern können. Auch bei Kindern und Jugendlichen können Depressionen auftreten.[2] Das Auftreten komorbider Störungen stellt für die Betroffenen meist eine erhebliche zusätzliche Belastung dar.

Übersicht und Prävalenz häufiger Komorbiditäten

  • SSV = Störung des Sozialverhaltens
  • AS = Angststörung
  • PS = Persönlichkeitsstörung
komorbide Störung Prävalenz Kinder Prävalenz Erwachsene
Oppositionelle SSV 50%
SSV 30-50%
affektive (depressive) Störungen 10-40% 35-50% (lifetime)
affektive (manische) Störungen 16%
Bipolare Störungen 60-90% 9,5%
Angststörungen 20-30% 40-60% (lifetime)
soziale Phobie 20-34% (lifetime)
generalisierte AS 10-45%
Panikstörung 9,5%
Teilleistungsstörungen 10-40%
Lese-Rechtschreib-Schwäche ca. 25%
Schlafstörungen ca. 50% ca. 70%
Somatisierungsstörungen 20-25%
Ticstörungen 30-50%
Alkoholmissbrauch / Abhängigkeit 17-45% 25-52%
Drogenmissbrauch 9-30% 30-38%
Nikotinmissbrauch-/abhängigkeit 15-19% 40%
Bulimia nervosa 3-9%
antisoziale PS 18-23%
Autismus 8%
Epilepsie 6% 3,5%

Komorbiditäten im Kinder- und Jugendalter ICD-10

Auftreten

Bei Kindern und Jugendlichen zeigen sich, neben Tic-, Angst- und Zwangsstörungen, häufiger Störungen des Sozialverhaltens, die sich durch unkontrollierte und dissoziale Verhaltensweisen äußern können. Auch bei Kindern und Jugendlichen können Depressionen auftreten. Diese können sich insbesondere dann entwickeln, wenn das Verhältnis zu Gleichaltrigen, Eltern oder Lehrern gestört ist oder Leistungsmängel vorhanden sind.[2] Das gestörte Verhältnis zum Umfeld des Betroffenen kann sich schädlich auf das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen auswirken, was die Entwicklung eines negativen Selbstkonzeptes zur Folge haben kann, das in vielen Fällen eine erhöhte Suizidalität zur Konsequenz haben kann. 12% der ADHS-betroffenen Kinder und Jugendlichen hatten schon einmal Suizidgedanken[3] Laut Studien der University of Chicago sind Mädchen davon häufiger betroffen.[3] Schlafstörungen von Kindern mit ADHS in Form von Ein- und Durchschlafstörungen sowie einer reduzierten Schlafdauer treten häufig auf. Stimulanzien können evtl. Einschlafstörungen verstärken.

Entwicklungsstörungen

Im ICD-10 werden weiterhin Entwicklungsstörungen, bzw. Lern- und Leistungsstörungen angegeben. Diese zeigen sich zumeist erstmals mit dem Eintritt in die Grundschule:

Lese-Rechtschreibstörung (F81.0)

Hauptsächlich fällt die gravierende Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefertigkeiten auf. Auch kann das Leseverständnis sowie die Fähigkeit, gelesene Worte wiederzuerkennen oder einfache Texte vorzulesen, beeinträchtigt sein. Im Schulalter zeichnen sich häufig begleitende Störungen im emotionalen und im Verhaltensbereich ab. Die Auswirkungen von Lese- und Rechtschreibschwächen reichen häufig bis ins Erwachsenenalter hinein.

Isolierte Rechtschreibstörung (F81.1)

Bezeichnet eine Störung, die sich vornehmlich durch die starke Beeinträchtigung der Entwicklung von Rechtschreibfertigkeiten auszeichnet, ohne dass dieser eine Lesestörung vorausgegangen ist. Die Schwierigkeiten sind nicht durch eine etwaige mindere Intelligenz zu erklären. Betroffene haben häufig Schwierigkeiten, Worte zu buchstabieren und orthographisch korrekt zu schreiben.

Rechenstörung (F81.2) oder Dyskalkulie

Betrifft im Besonderen die Beherrschung essentieller Rechenfertigkeiten, wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Die Schwierigkeiten können nicht durch etwaige mindere Intelligenz erklärt werden.

Kombinierte Störungen schulischer Fertigkeiten (F81.3)

Ist unzureichend definiert und bezieht sich auf diverse Reststörungen, die sich durch deutliche Beeinträchtigung in den Rechen,- Rechtschreib- oder Rechenleistungen auszeichnen. Die Störung ist nicht allein durch etwaige mindere Intelligenz zu erklären.

Allergien

Laut Helga Simchen ist auffällig, dass insbesondere hypoaktive Kinder und Jugendliche, respektive Betroffene des vorwiegend unaufmerksamen ADHS-Subtyps eine erhöhte Bereitschaft zur allergischen Reaktion aufweisen. Laut Simchens Beobachtungen verringerten sich die allergischen Reaktionen mit der Besserung der ADHS-Symptome.[4] Das gemeinsame Vorkommen von Allergien mit ADHS ist jedoch bislang ohne Erklärung und noch unzureichend erforscht.

Sonstige Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (F81.8)

k.A

  • Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten, nicht näher bezeichnet (F81.9)

k.A

Komorbiditäten im Erwachsenenalter

Vom Übergang der Adoleszenz ins Erwachsenenalter treten oftmals erstmalig psychosomatische Schwierigkeiten, also körperliche Störungen, die nicht auf eine organische Ursache zurückgeführt werden können, in Erscheinung. Hierbei sind vor allem (Spannungs-)Kopfschmerzen, Beklemmungsgefühle, Herzstechen sowie Magenbeschwerden zu nennen. Zudem besteht auch die Möglichkeit, dass Krankheiten organischer Ursache durch die ADHS negativ beeinflusst werden.[5] Erwachsene leiden außerdem gehäuft unter Schlafstörungen, Tic- und Angststörungen (wie sozialen Phobien, Panikstörungen und spezifischen Phobien wie Klaustrophobie), affektiven Störungen, wie der bipolaren Störung und Persönlichkeitsstörungen (wie emotional-instabile Persönlichkeitsstörungen). Während die Symptome der Hyperaktivität im Erwachsenenalter meist abnehmen, fallen 25 % der Erwachsenen weiterhin durch ein Restless-Legs-Syndrom auf. Erwachsene mit ADHS sind zudem höher gefährdet, Substanzabhängigkeiten zu entwickeln.[6] Dies ist im Besonderen deshalb der Fall, da häufig versucht wird, mit Drogen eine Selbstmedikation durchzuführen. Bemerkenswert ist dabei vor allem Nikotin, dessen Wirkungsweise der von Methylphenidat ähnelt. Die Unfallgefährdung bei Erwachsenen mit ADHS ist, insbesondere im Straßenverkehr, signifikant erhöht. Es wird davon ausgegangen, dass sich unter den jährlichen Todesopfern bei Verkehrsunfällen bis zu 5% Erwachsene mit ADHS befinden.[7]

Aufgrund der Tatsache, dass Betroffene mit mittelmäßiger bis starker Ausprägung oftmals im Beruf oder im Studium scheitern, oder nicht so funktionieren können, wie sie gerne möchten, ist das Selbstbewusstsein in vielen Fällen schwach entwickelt.

Behandlung

Um eine erfolgreiche Behandlung der komorbid auftretenden Störungen und Beschwerden zu gewährleisten, muss zunächst differenzialdiagnostisch geklärt werden, ob die Begleitsymptome im Sinne einer komorbiden Störung zu verstehen sind, oder ob es sich um Symptome handelt, deren Ursache auf ADHS zurückzuführen sind. Ist letzteres der Fall, so wird hier primär die Behandlung der ADHS angestrebt, was die Begleitstörungen korrelierend lindern, oder ganz zum Verschwinden bringen kann.

Weblinks

Siehe auch

Weitere interessante Artikel

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Quellen

  1. Caterina Gawrilow, Lehrbuch ADHS, S.31
  2. 2,0 2,1 2,2 Chesapeake ADHD Center of Maryland
  3. 3,0 3,1 "ADHD May Be Linked to Depression, Suicide"
  4. Helga Simchen, ADS. Unkonzentriert, verträumt, zu langsam und viele Fehler im Diktat, S.81
  5. "Begleiterscheinungen bei ADHS"
  6. "Schattauer - ADHS und Abhängigkeitserkrankungen"
  7. "What We Know About ADHD and Driving Risk: A Literature Review, Meta-Analysis and Critique"


Quellen