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Wender Utah Rating Scale

Aus ADHSpedia

Die Wender Utah Rating Scale (WURS) ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen, mit dem Erwachsene rückblickend ihr Verhalten als Kind beschreiben. Sie wird bei der Abklärung einer ADHS im Erwachsenenalter eingesetzt, um zu prüfen, ob die Symptome schon in der Kindheit bestanden. Im deutschsprachigen Raum liegt sie als Kurzform WURS-K vor (in der Erstveröffentlichung von 2002 WURS-k geschrieben),[1] die zu den Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene (HASE) gehört.[2]

Originalfassung

Der Name verweist auf den Psychiater Paul H. Wender und die University of Utah. Die 1993 von Ward, Wender und Reimherr vorgestellte Originalfassung umfasst 61 Items. In der ersten Studie werteten die Autoren die 25 Items aus, die Erwachsene mit ADHS am deutlichsten von gesunden Vergleichspersonen unterschieden. Ein Summenwert von 46 oder mehr ordnete 86 Prozent der 81 ADHS-Patienten, 99 Prozent der 100 gesunden Erwachsenen und 81 Prozent der 70 Patienten mit unipolarer Depression richtig zu.[3]

Deutsche Kurzform (WURS-K)

Für die deutsche Fassung werteten Petra Retz-Junginger und Kollegen die Antworten von 703 Personen auf die übersetzte WURS aus. Nach Trennschärfe, Antwortverteilung und inhaltlichen Gesichtspunkten wählten sie 21 Items aus. Die Retest-Reliabilität der Kurzform lag bei r = 0,90.[4] Hinzu kommen vier Kontrollitems, die nicht in den Summenwert eingehen, sodass der Bogen 25 Aussagen umfasst.[5]

Die Befragten geben an, wie stark eine Eigenschaft oder ein Problem bei ihnen im Alter von etwa 8 bis 10 Jahren ausgeprägt war, als sie die Grundschule besuchten. Die fünfstufige Antwortskala reicht von 0 („trifft nicht zu“) bis 4 („stark ausgeprägt“). Der Summenwert der 21 gewerteten Items kann damit zwischen 0 und 84 liegen.[6]

Gütekriterien

In einer Validierungsstudie mit 63 erwachsenen ADHS-Patienten und 1303 männlichen Kontrollpersonen ergab ein Grenzwert von 30 Punkten eine Sensitivität von 85 Prozent und eine Spezifität von 76 Prozent. Faktorenanalytisch ließen sich sieben Bereiche unterscheiden: Emotionalität, Impulsivität, unreife Persönlichkeitseigenschaften und Verhaltensweisen, Protestverhalten, Konzentrationsstörungen/Überaktivität, Störung der sozialen Adaptation sowie Schulerfolg. Die beste diagnostische Genauigkeit erreichte der Gesamtwert.[1]

Eine Untersuchung an 166 Frauen, davon 69 mit ADHS, bestätigte den Grenzwert von 30 Punkten; die Sensitivität lag hier bei 93, die Spezifität bei 92 Prozent. Männer beschrieben für ihre Kindheit häufiger externalisierendes, Frauen häufiger internalisierendes Verhalten.[7]

Einordnung

Die WURS-K fragt nicht die Diagnosekriterien von ICD oder DSM ab, sondern ein breiteres Spektrum kindlicher Auffälligkeiten, zu dem auch Emotionalität, Protestverhalten und Schulerfolg gehören.[1] Die Verfahrensübersicht zur S3-Leitlinie nennt die WURS-K unter den Selbstbeurteilungsverfahren für Erwachsene.[8] Für das Urteil von Eltern oder Geschwistern über die Kindheit gibt es eigene Fremdbeurteilungsbögen wie den FEA-FFB.[5]

Siehe auch

Literatur

  • Wender PH. Wender AQCC (Adult Questionnaire-Childhood Characteristics) Scale. Psychopharmacol Bull. 1985;21:927–928.
  • WURS-K (Musterbogen aus HASE, 1. Auflage, ausgefüllt), zentrales adhs-netz

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Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 Retz-Junginger P, Retz W, Blocher D et al. Reliabilität und Validität der Wender-Utah-Rating-Scale-Kurzform. Retrospektive Erfassung von Symptomen aus dem Spektrum der Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung. Nervenarzt. 2003;74(11):987–993. doi:10.1007/s00115-002-1447-4
  2. ↑ HASE. Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene, 2. Auflage. Testzentrale, Hogrefe Verlag. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  3. ↑ Ward MF, Wender PH, Reimherr FW. The Wender Utah Rating Scale: an aid in the retrospective diagnosis of childhood attention deficit hyperactivity disorder. Am J Psychiatry. 1993;150(6):885–890. doi:10.1176/ajp.150.6.885
  4. ↑ Retz-Junginger P, Retz W, Blocher D et al. Wender Utah Rating Scale (WURS-k). Die deutsche Kurzform zur retrospektiven Erfassung des hyperkinetischen Syndroms bei Erwachsenen. Nervenarzt. 2002;73(9):830–838. doi:10.1007/s00115-001-1215-x
  5. ↑ 5,0 5,1 Störungsspezifische Verfahren zur Erfassung der ADHS-Symptomatik (Erwachsene). zentrales adhs-netz. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  6. ↑ WURS-K. Wender Utah Rating Scale Kurzform (PDF, Musterbogen aus HASE, 1. Auflage). zentrales adhs-netz. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  7. ↑ Retz-Junginger P, Retz W, Schneider M et al. Der Einfluss des Geschlechts auf die Selbstbeschreibung kindlicher ADHS-Symptome. Nervenarzt. 2007;78(9):1046–1051. doi:10.1007/s00115-006-2242-4
  8. ↑ Deutschsprachige psychometrisch untersuchte Verfahren zur Erfassung von ADHS-Symptomatik im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter (PDF). Übersicht nach der S3-Leitlinie ADHS (2018). zentrales adhs-netz. Abgerufen am 6. Oktober 2026.