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DL-Amphetamin

Aus ADHSpedia
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Bei DL-Amphetamin (auch: DL-Amphetaminsulfat) handelt es sich um ein 1:1-Gemisch (Racemat) der beiden Enantiomere D-Amphetamin (rechtsdrehend) und L-Amphetamin (linksdrehend).[1] DL-Amphetamin wird in Deutschland zur pharmakologischen Behandlung der ADHS eingesetzt, sofern Methylphenidat und Atomoxetin zuvor keine oder nur unzureichende Wirkung gezeigt haben, oder wenn diese aufgrund unerwünschter Nebenwirkungen nicht in Frage kommen.

DL-Amphetamin unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz. Bislang ist es nicht als Fertigpräparat erhältlich, weshalb es als Saft oder als Kapseln rezeptiert und von Apotheken hergestellt werden muss.[2]

Pharmakologie

Neben der Blockade von Dopamintransportern setzen Amphetamine zusätzlich Dopamin und Noradrenalin aus präsynaptischen Vesikeln frei und blockieren die Monoaminoxidase. In der Folge erhöht sich die Konzentration von Dopamin und Noradrenalin im synaptischen Spalt und die Neurotransmitter werden langsamer abgebaut.

Die maximale Plasmakonzentration wird mit DL-Amphetamin nach etwa 2 Stunden erreicht, die Halbwertszeit beträgt 5-8 Stunden.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit des DL-Amphetamins ist in zahlreichen Untersuchungen belegt worden.[3]

Wirkdauer

Die Wirkung tritt innerhalb der ersten halben Stunde auf und hält etwa 3-5 Stunden an.[4]

Kombinationsbehandlung

DL-Amphetamin kann mit unretardiertem Methylphenidat kombiniert werden.[5]

Rezepturen

Rezeptur für Amphetaminsaft (DAB 10)

Die Rezeptur wurde 1997 geändert. Seitdem bezieht sich der Gehalt nicht mehr auf das Sulfat, sondern auf die Base. Dadurch ist die Umrechnung einfacher, wenn auf Kapseln umgestellt wird.

Amphetamin-Saft (d-l-Amphetamin 0,2 %)
DL-Amphetaminsulfat (=d-l-Amphetamin 0,2 g) 0,2724 g
Zitronensäure wasserfrei 0,2 g
Zuckersirup 30 ml
Wasser ad injectionem 70 ml
Konserviert mit 0,1 % Sorbinsäure 5 ml Saft = 10 mg reines DL-Amphetamin

Rezeptur für Amphetamin-Kapseln (DAB 10)

Da auch Hilfsstoffe korrekt angegeben werden müssen, sollte als Füllstoff die nach DAB 10 empfohlene Mannit-Aerosil-Mischung aufgeschrieben werden.

Amphetamin-Kapseln á 10mg (Menge: 40 Stück)
d-l-Amphetaminsulfat 0,01362 g
Mannit-Aerosil 99,5T + 0,5T q.s.
m.f.caps, d.tal.dos

Nebenwirkungen

Appetitminderung, Übelkeit, Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Blässe und Ringe um die Augen können in seltenen Fällen zu Beginn der Behandlung auftreten (insbesondere, wenn zu schnell aufdosiert wird). In der Regel verschwinden diese Nebenwirkungen nach sechs bis acht Wochen.

Studien und wissenschaftliche Publikationen

Weitere Amphetamine

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Bradley C. The Behavior of Children Receiving Benzedrine. Am J Psychiatry. 1937;94:577–581.
  2. http://www.sfk-oberfranken.de/hks/interview.htm
  3. Brown, R.T., Amler, R.W., Freeman, W.S., Perrin, J.M., Stein, M.T., Feldman, H.M., Pierce, K., Wolraich, M.L. and the Committee on Quality Improvement, Subcommittee on Attention- Deficit/Hyperactivity Disorder: Treatment of Attention-Deficit/Hyperactivity
  4. https://www.kinderaerzte-im-netz.de/media/53ec94e833af614b730097c9/source/20071112125344_die-medikamtoese-therapie-und-ihre-grenzen-neuropdiatrische-praxis.pdf
  5. http://www.uni-siegen.de/elternuni/zum_nachlesen/leitlinie2009_adhs.pdf