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SDQ

Aus ADHSpedia
Beispielhafter Ausschnitt eines SDQ-Fragebogens

Der Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ, deutsch Fragebogen zu Stärken und Schwächen) ist ein kurzer Fragebogen zu Verhaltensauffälligkeiten und Stärken von Kindern und Jugendlichen. Entwickelt hat ihn der britische Kinderpsychiater Robert Goodman, der ihn 1997 erstmals beschrieb.[1] Der SDQ ist kein ADHS-spezifisches Verfahren, enthält aber eine Skala zu Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsproblemen. Die deutsche Fassung (SDQ-Deu) gibt es seit 1997; sie kann kostenlos heruntergeladen und ausgedruckt werden.[2][3]

Aufbau

Der SDQ fragt nach 25 positiven und negativen Merkmalen, die sich auf fünf Skalen mit je fünf Items verteilen: emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, Probleme mit Gleichaltrigen und prosoziales Verhalten. Die Bögen für Eltern und Lehrkräfte von 4- bis 17-Jährigen sind identisch. In der Fassung für 2- bis 4-Jährige stimmen 22 Items überein; das Item zum überlegten Handeln ist abgeschwächt, und zwei Items zu dissozialem Verhalten sind durch Items zu oppositionellem Verhalten ersetzt. Der Selbstbericht für Jugendliche fragt nach denselben Merkmalen in leicht veränderter Formulierung. Jedes Item wird mit „nicht zutreffend“ (0), „teilweise zutreffend“ (1) oder „eindeutig zutreffend“ (2) beantwortet. Die Summe der vier Problemskalen ergibt einen Gesamtproblemwert von 0 bis 40, in den die Skala prosoziales Verhalten nicht eingeht.[4][5]

Zweiseitige Fassungen enthalten auf der Rückseite einen Zusatzteil (Impact Supplement). Er fragt, ob die befragte Person überhaupt ein Problem sieht, und falls ja, nach Dauer, Leidensdruck, Beeinträchtigung im sozialen Alltag und Belastung für andere. Für die Zeit nach einer Behandlung gibt es Follow-up-Fassungen mit zwei zusätzlichen Fragen.[4]

Deutsche Fassungen

Auf Deutsch gibt es einseitige Bögen für Eltern oder Erzieher von 2- bis 4-Jährigen, für Eltern oder Lehrkräfte von 4- bis 17-Jährigen und zur Selbstbeurteilung für 11- bis 17-Jährige, außerdem Bögen zur Selbst- und Fremdbeurteilung ab 18 Jahren. Hinzu kommen die Fassungen mit Impact Supplement und die Follow-up-Fassungen.[5] Auf sdqinfo.org gibt es den SDQ außerdem in zahlreichen weiteren Sprachen.[3]

Normen und Einsatz in Studien

Die erste deutsche Normierung der Elternfassung beruht auf einer bundesweiten Stichprobe von 930 Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 16 Jahren.[6][7] In ersten Validierungsstudien korrelierten Eltern-, Lehrer- und Selbstberichtsfassung hoch mit der deutlich längeren CBCL und deren Varianten TRF und YSR.[2]

Im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts beantworteten die Eltern von 14.478 Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren den SDQ.[8] Eine spätere Auswertung der KiGGS-Daten zeigte, dass die Skalen Hyperaktivität und emotionale Probleme bei jüngeren und älteren Kindern nicht direkt vergleichbar sind. Die Studie lieferte deshalb altersspezifische Normen für die Elternfassung, die erstmals auch Kinder unter 6 Jahren einschließen.[9]

Nutzungsbedingungen

Die Rechte am SDQ liegen bei dem Unternehmen Youthinmind. Papierfassungen dürfen Einzelpersonen und gemeinnützige Organisationen kostenlos ausdrucken und kopieren, solange sie den Familien nichts berechnen. Die Bögen dürfen nicht verändert werden. Elektronische Fassungen und neue Übersetzungen sind nur mit Zustimmung von Youthinmind zulässig.[3]

Siehe auch

Literatur

  • Becker A, Woerner W, Hasselhorn M, Banaschewski T, Rothenberger A. Validation of the parent and teacher SDQ in a clinical sample. Eur Child Adolesc Psychiatry. 2004;13(Suppl 2):II11–II16. doi:10.1007/s00787-004-2003-5
  • Becker A, Steinhausen HC, Baldursson G et al. Psychopathological screening of children with ADHD: Strengths and Difficulties Questionnaire in a pan-European study. Eur Child Adolesc Psychiatry. 2006;15(Suppl 1):I56–I62. doi:10.1007/s00787-006-1008-7

Weitere interessante Artikel

Einzelnachweise

  1. ↑ Goodman R. The Strengths and Difficulties Questionnaire: a research note. J Child Psychol Psychiatry. 1997;38(5):581–586. doi:10.1111/j.1469-7610.1997.tb01545.x
  2. ↑ 2,0 2,1 Klasen H, Woerner W, Rothenberger A, Goodman R. Die deutsche Fassung des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ-Deu) – Übersicht und Bewertung erster Validierungs- und Normierungsbefunde. Prax Kinderpsychol Kinderpsychiatr. 2003;52(7):491–502. Volltext bei PsychArchives
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 Copyright. Youthinmind. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  4. ↑ 4,0 4,1 What is the SDQ?. sdqinfo.org. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  5. ↑ 5,0 5,1 SDQ: German. Downloadseite der deutschen Fassungen. sdqinfo.org. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  6. ↑ Woerner W, Becker A, Friedrich C, Rothenberger A, Klasen H, Goodman R. Normierung und Evaluation der deutschen Elternversion des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ): Ergebnisse einer repräsentativen Felderhebung. Z Kinder Jugendpsychiatr Psychother. 2002;30(2):105–112. doi:10.1024//1422-4917.30.2.105
  7. ↑ Woerner W, Becker A, Rothenberger A. Normative data and scale properties of the German parent SDQ. Eur Child Adolesc Psychiatry. 2004;13(Suppl 2):II3–II10. doi:10.1007/s00787-004-2002-6
  8. ↑ Hölling H, Erhart M, Ravens-Sieberer U, Schlack R. Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Erste Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2007;50(5–6):784–793. doi:10.1007/s00103-007-0241-7
  9. ↑ Janitza S, Klipker K, Hölling H. Age-specific norms and validation of the German SDQ parent version based on a nationally representative sample (KiGGS). Eur Child Adolesc Psychiatry. 2020;29(2):123–136. doi:10.1007/s00787-019-01337-1