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Conners-Skalen

Aus ADHSpedia

Die Conners-Skalen sind eine Familie von Beurteilungsfragebögen zur Erfassung von ADHS-Symptomen und begleitenden Verhaltensproblemen. Sie gehen auf den US-amerikanischen Psychologen C. Keith Conners (1933–2017) zurück, der 1969 eine Lehrerbeurteilungsskala für Medikamentenstudien an Kindern veröffentlichte.[1] Im deutschsprachigen Raum gibt es die Conners 3 für Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren, die Conners EC für das Vorschulalter und die CAARS für Erwachsene. Alle drei vertreibt der Hogrefe Verlag. Die Conners EC ist in der Verfahrensübersicht zur S3-Leitlinie für das Vorschulalter aufgeführt.[2]

Conners 3

Die Conners Skalen zu Aufmerksamkeit und Verhalten – 3 sind die deutschsprachige Adaptation der Conners 3rd Edition. Sie wurden von Karen Lidzba, Hanna Christiansen und Renate Drechsler bearbeitet und erschienen 2013.[3]

Aufbau

Es gibt Fragebögen für Eltern und Lehrkräfte von Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren sowie einen Selbstbeurteilungsbogen ab 8 Jahren. Das Verfahren liegt in vier Versionen vor: Langversion, Kurzversion, ADHS-Index und Global-Index. Lang- und Kurzversion sowie den ADHS-Index gibt es für Eltern, Lehrkräfte und zur Selbstbeurteilung, den Global-Index nur für Eltern und Lehrkräfte. Die Indizes sind in etwa 5 Minuten ausgefüllt, die Langversion in rund 20 Minuten.[3]

Die Inhaltsskalen beschreiben die ADHS-Kernsymptome und damit zusammenhängende Probleme, etwa aggressives Verhalten, Schwierigkeiten im Sozialverhalten, Probleme der exekutiven Funktionen und Lernprobleme. Daneben gibt es Symptomskalen nach DSM-IV-TR, DSM-5 und ICD-10 für ADHS beziehungsweise hyperkinetische Störungen, die Störung mit oppositionellem Trotzverhalten und die Störung des Sozialverhaltens. Für diese lässt sich sowohl die Zahl der erfüllten Kriterien als auch ein Skalenwert bestimmen. Validitätsskalen prüfen die Antworten auf Inkonsistenz und Verzerrungstendenzen. Hinzu kommen Screening-Items zu Ängstlichkeit und Depressivität, kritische Items zu Aggressivität und Sozialverhalten, die einen dringenden Handlungsbedarf anzeigen, sowie Fragen zur Beeinträchtigung. Seit 2017 erläutert ein Ergänzungsheft die Auswertung nach DSM-5.[3]

Normen und Validierung

Alters- und geschlechtsspezifische Normen stützen sich auf 919 Eltern-, 730 Lehrer- und 770 Selbsturteile.[3] Für die deutsche Validierungsstudie füllten 953 Eltern, 741 Lehrkräfte und 745 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren die Bögen aus. Explorativ ergab sich eine andere Faktorenstruktur als in den USA; das amerikanische Modell ließ sich konfirmatorisch dennoch sehr gut bestätigen. Die internen Konsistenzen bezeichnen die Autoren als sehr zufriedenstellend.[4]

Conners EC

Die Conners Skalen zu Aufmerksamkeit, Verhalten und Entwicklungsmeilensteinen im Vorschulalter (Conners EC, für Early Childhood) von Simon Harbarth, Ricarda Steinmayr, Eva Neidhardt und Hanna Christiansen erschienen 2018. Sie richten sich an Eltern und Erzieher von Kindern zwischen 2 und 6 Jahren.[5]

Die Verhaltensskalen umfassen Unaufmerksamkeit/Hyperaktivität, feindseliges/aggressives Verhalten, soziales Funktionsniveau/atypisches Verhalten, Ängstlichkeit, Stimmung und Affekt sowie körperliche Symptome wie Schmerzen und Schlafprobleme. Skalen zu Entwicklungsmeilensteinen erfassen adaptive, kommunikative, motorische und vorschulische Fertigkeiten sowie das Spielverhalten. Dazu kommen Validitätsskalen, Screening-Fragen zu weiteren Störungen wie Tic-Störungen oder Trichotillomanie und Fragen zur Beeinträchtigung. Neben der Langform gibt es die Verhaltens- und die Entwicklungsskalen einzeln, eine Kurzform der Verhaltensskalen und einen Global-Index. Für den Global-Index genügen etwa 5 Minuten, die Langform nimmt bis zu 30 Minuten in Anspruch. Normiert wurde an 720 Eltern- und 599 Erzieherurteilen.[5]

Auch bei der Conners EC ergab die explorative Analyse andere Faktoren als im Original. Das amerikanische Modell passte in der konfirmatorischen Prüfung aber akzeptabel bis gut zu den deutschen Daten.[6]

Kurzskala in der BELLA-Studie

Ein Hyperaktivitätsindex aus zehn Items der Conners-Skalen wurde im BELLA-Modul des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys KiGGS zusammen mit dem FBB-HKS aus dem DISYPS eingesetzt. Die Eltern von 2863 Kindern und Jugendlichen füllten beide Bögen aus. Anders als beim FBB-HKS zeigten sich beim Conners-Index Abweichungen von der angenommenen Eindimensionalität.[7]

Siehe auch

Weitere interessante Artikel

Einzelnachweise

  1. ↑ Conners CK. A teacher rating scale for use in drug studies with children. Am J Psychiatry. 1969;126(6):884–888. doi:10.1176/ajp.126.6.884
  2. ↑ Deutschsprachige psychometrisch untersuchte Verfahren zur Erfassung von ADHS-Symptomatik im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter (PDF). Übersicht nach der S3-Leitlinie ADHS (2018). zentrales adhs-netz. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Conners 3. Conners Skalen zu Aufmerksamkeit und Verhalten – 3. Testzentrale, Hogrefe Verlag. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  4. ↑ Christiansen H, Hirsch O, Drechsler R et al. German validation of the Conners 3® rating scales for parents, teachers, and children. Z Kinder Jugendpsychiatr Psychother. 2016;44(2):139–147. doi:10.1024/1422-4917/a000408
  5. ↑ 5,0 5,1 Conners EC. Conners Skalen zu Aufmerksamkeit, Verhalten und Entwicklungsmeilensteinen im Vorschulalter. Testzentrale, Hogrefe Verlag. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  6. ↑ Türk S, Harbarth S, Bergold S et al. Do German children differ? A validation of Conners Early Childhood™. J Atten Disord. 2021;25(10):1441–1454. doi:10.1177/1087054720907955
  7. ↑ Erhart M, Döpfner M, Ravens-Sieberer U; BELLA study group. Psychometric properties of two ADHD questionnaires: comparing the Conners' scale and the FBB-HKS in the general population of German children and adolescents – results of the BELLA study. Eur Child Adolesc Psychiatry. 2008;17(Suppl 1):106–115. doi:10.1007/s00787-008-1012-1