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Peter Breggin

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Peter Breggin in einer US-amerikanischen Nachrichtensendung im Jahr 2008

Peter Roger Breggin (* 11. Mai 1936)[1] ist ein US-amerikanischer Psychiater sowie Kritiker der biologischen Psychiatrie und des Einsatzes von Psychostimulanzien. Bekanntheit erlangte Breggin auch durch seine Kritik an der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Er vertritt die Ansicht, dass die Ansätze der Humanistischen Psychologie sowie die Psychotherapie und Pädagogik dem Einsatz von Medikamenten grundsätzlich vorzuziehen sind.[2] Breggin lebt in der Finger Lakes-Region in New York.

Peter Breggin war im Rahmen der Ritalin-Sammelklagen als Konsil beteiligt.

Leben

Breggin schloss sein Medizinstudium auf dem Harvard College mit Auszeichnung ab.[3] Seine weitere psychiatrische Ausbildung absolvierte er an der State University of New York in Syracuse. Danach war er zwei Jahre als Mitarbeiter des National Institute of Mental Health (NIMH) tätig. Breggin war an mehreren Universitäten als Dozent tätig, darunter die Washington School of Psychiatry, die Johns Hopkins University sowie die George Mason University in Fairfax County, Virginia. Seit 1968 ist er als niedergelassener Arzt in New York tätig.

Breggin ist lebenslanges Mitglied der American Psychiatric Association (APA) und Herausgeber mehrerer wissenschaftlicher Magazine. Seine wissenschaftlichen Stellungnahmen fanden in den Medien - darunter das Time magazine[4] und die New York Times[5], sowohl positive als auch kritische Resonanz. Breggin ist und war häufig Gast in US-amerikanischen TV- und Radiosendungen.

Breggin und ADHS

Die New York Times bezeichnete Breggin als den bekanntesten ADHS-Kritiker der Vereinigten Staaten. Im Jahr 1991 prägte Breggin das satirische Akronym DADD. Dieses soll besagen:

"Den meisten sogenannten ADHS-Kindern widmen ihre Väter nicht ausreichend Aufmerksamkeit. Diese Väter sind meist zu sehr ins Berufsleben eingespannt, leben von der Familie getrennt oder haben sonstige Gründe, ihre Rolle als Elternteil nicht ausreichend zu erfüllen. In vielen Fällen müsste die Diagnose korrekterweise Dad Attention Deficit Disorder (DADD) lauten."[6]

Breggin schrieb zwei Bücher, die sich exklusiv mit dem Thema ADHS befassen (Talking Back to Ritalin und The Ritalin Factbook). In beiden Werken trifft Breggin Behauptungen, die kontrovers rezipiert wurden. So behautet Breggin beispielsweise, dass "Ritalin Dysfunktionen im Gehirn produziert, statt die Gehirnfunktion zu verbessern. Dies ist die einzige Art und Weise, wie Ritalin wirkt".[7]

Gemeinsam mit dem US-amerikanischen Neurologen und Psychiatriekritiker Fred Baughman traf Breggin vor dem US-Kongress die Aussagen, dass "keine wissenschaftlichen Studien vorliegen, dass ADHS eine valide klinische Diagnose ist, dass Kinder, die mit ADHS diagnostiziert wurden, schlicht mehr "Disziplin und Anleitung" benötigen, statt mit Medikamenten behandelt zu werden und dass Psychostimulanzien das derzeit größte Abhängigkeitspotenzial bergen, das in der Medizin bekannt ist".[8] Methylphenidat birgt gemäß aktueller Studien nur bei missbräuchlicher Verwendung Abhängigkeitspotenzial, nicht aber bei verschreibungsgemäßer oraler Einnahme. In einem nachfolgenden Interview sagte Breggin, dass er ADHS für eine Erfindung halte.[9] In der Folgezeit wuchs die kritische Aufmerksamkeit um das Thema Ritalin und ADHS signifikant, wobei die steigende öffentliche Aufmerksamkeit mit den Ritalin-Sammelklagen gipfelte.

Breggin kritisierte die Veröffentlichungen und Auffassungen Russell Barkleys stark und häufig. Er ist der Ansicht, Barkley übertreibe die Vorteile von Psychostimulanzien und spiele die Gefahren von Psychopharmaka herunter.[10]

Kritik

Aufgrund seiner häufigen kritischen Meinungsäußerungen über die Psychiatrie steht Breggin immer wieder im kritischen Kreuzfeuer. So äußert sich Breggin gelegentlich polemisch und polarisierend. Beispielsweise bezeichnete er biologische und genetische Theorien, die psychische Krankheiten begründen sollen, als Betrug (engl. fraud).

Das Time Magazine zeigte auf, dass einige andere Experten aus dem Fachbereich befürchten, dass Breggin die Meinung verbreite, dass psychische Störungen nicht tatsächlich existierten und erkrankte Menschen zum Zögern verleite, sich Hilfe zu suchen.[11]

Im Jahr 1994 warf Breggin dem Pharmakonzern Eli Lilly and Company vor, dass dieser versucht habe, ihn und sein Werk Talking Back to Prozac mittels Unterstellungen über Verbindungen zur Scientology-Kirche öffentlich zu diskreditieren.[12] Breggin dementierte jegliche Verbindungen zu Scientology[13], gab jedoch später bekannt, dass er einige Sichtweisen der Citizens Commission on Human Rights (eine von Scientology gegründete Antipsychiatrie-Organisation) nach wie vor teile.[14]

Werk (Auswahl)

  • Breggin, Peter R. (2012). Psychiatric Drug Withdrawal: A Guide for Prescribers, Therapists, Patients and their Families. New York: Springer Publishing Company. ISBN 978-0826108432.
  • Breggin, P. R. (2009). Wow, I'm an American! How to Live Like Our Nation's Heroic Founders, Lake Edge Press. ISBN 978-0-9824560-1-9.
  • Breggin, P. R. (2008). Medication Madness: A Psychiatrist Exposes the Dangers of Mood-Altering Medications. New York: St. Martin's Press. ISBN 978-0312363383.
  • Breggin, P. R. (2008). Brain-Disabling Treatments in Psychiatry: Drugs, Electroshock and the Psychopharmaceutical Complex, Second Edition. New York: Springer Publishing Company. ISBN 978-0826129345.
  • Breggin, P. R. and Cohen, D. (2007). Your Drug May Be Your Problem: How and Why to Stop Taking Psychiatric Medications, Second Edition. Cambridge MA: Perseus Books. ISBN 978-0738210988
  • Breggin, P. R. Breggin, G. R., and Bemak, F. (Editors) (2002). Dimensions of Empathic Therapy. New York: Springer Publishing Company. ISBN 978-0826115133.
  • Breggin, P. R. (2002). The Ritalin Fact Book: What Your Doctor Won't Tell You. Cambridge: Perseus Books.
  • Breggin, P. R. (2001). The Anti-Depressant Fact Book: What Your Doctor Won't Tell You About Prozac, Zoloft, Paxil, Celexa, and Luvox, Cambridge: Perseus Books.
  • Breggin, P. R. (2001). Talking Back to Ritalin: What Doctors Aren't Telling You About Stimulants and ADHD. Revised. Cambridge: Perseus Books.

Bekannte ADHS-Kritiker

Siehe auch

Weblinks

Weitere interessante Artikel

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Quellen