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ADHS-Selbstbeurteilungsskala (ADHS-SB)

Aus ADHSpedia

Die ADHS-Selbstbeurteilungsskala (ADHS-SB) ist ein deutschsprachiger Fragebogen, mit dem Erwachsene die aktuelle Ausprägung von ADHS-Symptomen selbst einschätzen. Eine Arbeitsgruppe um Michael Rösler veröffentlichte sie 2004 zusammen mit der Diagnostischen Checkliste ADHS-DC, dem entsprechenden Bogen für das Urteil der Untersuchenden.[1] Beide gehören zu den Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene (HASE).[2]

Aufbau

Grundlage sind die 18 Diagnosekriterien, wie sie das DSM-IV und die Forschungskriterien der ICD-10 beschreiben, umformuliert für das Erwachsenenalter. Jedes Symptom wird nach seiner Ausprägung auf einer Skala von 0 bis 3 eingestuft: „trifft nicht zu“, „leicht ausgeprägt (kommt selten vor)“, „mittel ausgeprägt (kommt oft vor)“ und „schwer ausgeprägt (kommt nahezu immer vor)“. Durch diese Abstufung eignet sich der Bogen nach Angaben der Autoren auch für Verlaufsbeobachtungen und zur Begleitung einer Behandlung.[1][3]

Die Fassung aus der ersten Auflage der HASE umfasst 22 Items. Die Items 1 bis 9 betreffen die Aufmerksamkeit, 10 bis 14 die Überaktivität und 15 bis 18 die Impulsivität. Vier weitere Fragen klären, ob die Schwierigkeiten schon in der Schulzeit bestanden, ob sie in mehreren Lebensbereichen auftreten, ob die Person darunter leidet und ob sie deswegen Probleme im Beruf oder im Kontakt mit anderen hatte. Auf dem Bogen werden die Summen der drei Bereiche eingetragen und festgehalten, ob die Kriterien der ICD-10-Diagnose F90.0 oder eines Subtyps nach DSM-IV erfüllt sind.[3] Für die zweite Auflage der HASE von 2021 wurde die ADHS-SB an DSM-5 und ICD-11 angepasst.[2]

Gütekriterien

In der Entwicklungsstudie stimmten Selbsturteil (ADHS-SB) und Expertenurteil (ADHS-DC) bei den einzelnen Symptomen und den Syndromwerten gut überein. Retest-Reliabilität, interne Konsistenz sowie konvergente und divergente Validität bezeichneten die Autoren als günstig; geprüft wurde die Validität unter anderem am NEO-Fünf-Faktoren-Inventar und am Impulsivitätsfragebogen nach Eysenck. Die ADHS-SB hing eng mit der WURS-K zusammen, die Symptome der Kindheit erfasst. Je nach Grenzwert lag die Sensitivität bei 65 bis 88 Prozent, die Spezifität bei 67 bis 92 Prozent.[1] Mit dem Wender-Reimherr-Interview korrelierte die ADHS-SB in einer späteren Studie mit 0,65.[4]

Normen

Normen für die Allgemeinbevölkerung legten Beatrice Mörstedt, Salvatore Corbisiero und Rolf-Dieter Stieglitz 2016 vor. Sie beruhen auf 640 Personen (300 Männer, 340 Frauen) aus der Deutschschweiz und sind nach Altersgruppen gegliedert (18–19, 20–39, 40–64 und über 64 Jahre). Angegeben werden Prozentränge, Stanine-Werte und kritische Werte, ab denen eine genaue Abklärung erfolgen sollte. Dieselbe Studie normierte auch die ASRS.[5] Referenzwerte aus der Allgemeinbevölkerung veröffentlichte auch die Homburger Arbeitsgruppe.[6] Die zweite Auflage der HASE enthält bevölkerungsrepräsentative Normen für die ADHS-SB, auch für einzelne Altersgruppen.[2]

Siehe auch

  • ADHS-SB (Musterbogen aus HASE, 1. Auflage, ausgefüllt), zentrales adhs-netz
  • HASE bei der Testzentrale (Hogrefe)

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Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 Rösler M, Retz W, Retz-Junginger P et al. Instrumente zur Diagnostik der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter. Selbstbeurteilungsskala (ADHS-SB) und Diagnosecheckliste (ADHS-DC). Nervenarzt. 2004;75(9):888–895. doi:10.1007/s00115-003-1622-2
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 HASE. Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene, 2. Auflage. Testzentrale, Hogrefe Verlag. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  3. ↑ 3,0 3,1 ADHS-SB. ADHS-Selbstbeurteilungsskala (PDF, ausgefüllter Musterbogen aus HASE, 1. Auflage). zentrales adhs-netz. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  4. ↑ Rösler M, Retz W, Retz-Junginger P et al. ADHS-Diagnose bei Erwachsenen. Nach DSM-IV, ICD-10 und den UTAH-Kriterien. Nervenarzt. 2008;79(3):320–327. doi:10.1007/s00115-007-2375-0
  5. ↑ Mörstedt B, Corbisiero S, Stieglitz RD. Normierung der Adult ADHD Self-Report-Scale-V1.1 und der ADHS-Selbstbeurteilungsskala an einer repräsentativen deutschsprachigen Stichprobe. Diagnostica. 2016;62(4):199–211. doi:10.1026/0012-1924/a000154
  6. ↑ Philipp-Wiegmann F, Rösler M, Retz W, Schindelbeck K, Retz-Junginger P. Häufigkeiten von adulten ADHS-assoziierten Symptomen in der Normalbevölkerung – Referenzwerte der ADHS-Selbstbeurteilungsskala und des Wender-Reimherr-Interviews. Z Psychiatr Psychol Psychother. 2015;63(4):267–278. doi:10.1024/1661-4747/a000249